Gesundheit : Neues Portal hilft bei der Literatursuche

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Will ein Wissenschaftler in elektronischen Datenbanken nach Literatur für sein Forschungsthema suchen, gleicht das oft einem Kampf mit der vielköpfigen Hydra. Genauso wie dem mythischen Seeungeheuer zwei Köpfe nachwachsen, sobald einer abgeschlagen ist, zieht die Recherche in einer Datenbank die in mehreren anderen nach sich. Zeitschriftenartikel findet man auf spezialisierten CDRoms, die aber nicht im Internet-Katalog einer Bibliothek stehen. Der eignet sich für die Fahndung nach Monografien, doch selbst die größten Bibliotheken führen nicht alle Titel.

Die Suche in elektronischen Ressourcen will jetzt ein Berliner Anbieter vereinfachen. Auf dem Internet-Portal www.gallileus.info gibt man ein Schlagwort ein – oder mehrere bei der „Expertensuche“. Die Plattform greift auf große Datenbanken zurück: die British Library für Zeitschriftenartikel, Amazon und Lehmanns beispielsweise für gedruckte Bücher sowie Online-Antiquariate und einen E-Book-Anbieter. Die Beschränkung auf große Partner ermögliche eine „einfache und übersichtliche Suche“, sagt Ute Rother, Mitbegründerin von Gallileus. Mit weiteren Anbietern wolle man aber demnächst kooperieren.

Auch Bibliotheken bindet die Suche bisher nicht ein. Das werden Studenten als Nachteil empfinden, die Rother als eine wichtige Zielgruppe ansieht. Sie machen momentan drei Viertel der gut 9000 angemeldeten Nutzer aus. Wollen sie Literatur direkt auf Gallileus bestellen, müssen sie den Preis der Gallileus-Partner bezahlen. Wer über Amazon seine Semesterliteratur kauft, braucht ein gutes Bücherstipendium. Gallileus bietet neben den aktiven Recherchemöglichkeiten auch einen kostenpflichtigen Benachrichtigungs-Service: Abonnenten werden per E-Mail auf Neuerscheinungen zu ihrem Forschungsthema hingewiesen.

Portale, die anders als Gallileus Bibliotheksbestände in die Suche mit einbinden, kämpfen allerdings mit noch größeren Problemen. Fast jede deutsche Bibliothek hat ihren Bestand mit einem unterschiedlichen Schlagwortsystem katalogisiert und dieses auf ihr Online-Angebot übertragen. Internet-Quellen sind wiederum nicht systematisch erfasst. Alle für eine gemeinsame Suche zu vereinheitlichen, ist selbst im digitalen Zeitalter extrem kompliziert.

Keinem Anbieter ist es bislang überzeugend gelungen, fachübergreifend auf einer Plattform Recherche, Bestellung und Lieferung von Literatur anzubieten. Über die Seite Subito können Wissenschaftler beispielsweise das machen, was sie bei Gallileus nicht können: Literatur vom Schreibtisch aus jeder großen deutschen Bibliothek ordern und sich gegen Gebühr nach Hause liefern lassen. Recherchieren sollten sie woanders, sagt die Subito-Koordinatorin Traute Braun-Gorgon: „Wer bei uns bestellt, muss wissen, was er will.“

Auf der Plattform Vascoda, die ähnlich wie Gallileus ein fachübergreifender Recherche-Startpunkt sein will und mit wichtigen deutschen Bibliotheken zusammenarbeitet, „führt die Suche bisher nicht zu befriedigenden Ergebnissen“, sagt selbst Christine Burblies von der Vascoda-Geschäftsstelle. Trotz der geplanten Verbesserungen würden Dienste, die hinter einer Recherche-Plattform stünden, einzeln immer besser bleiben, glaubt sie. tiw

Informationen im Internet:

www.gallileus.info

www.subito-doc.de

www.vascoda.de

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