Gesundheit : Neurologie: Die Filter-Ohren der Dirigenten

"Die dritte Geige ist zu spät!", ruft der Dirigent, und nicht nur Musiker wundern sich, wie er diese Feinheit im Gesamtklang eines großen Orchesters hat hören können. Die Fähigkeit, "unpassende Geräusche vor einem Klanghintergrund räumlich zu orten, ist bei Orchesterleitern deutlich besser ausgeprägt als bei Solisten oder Nicht-Musikern", berichten Forscher der Universität Magdeburg in der britischen Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 409, S. 580). Das Gehirn der Dirigenten hat eine besondere Technik, die Vielzahl der eintreffenden Geräusche zu verarbeiten.

"Das ist wie auf einer Cocktailparty, wo man seine Aufmerksamkeit auf ein Gespräch unter vielen richtet", berichtet der Neurophysiologe Thomas Münte aus Magdeburg. Aus verschiedenen Lautsprechern beschallte er jeweils sieben Dirigenten, Pianisten und Kontrollpersonen mit kurzen Rausch-Impulsen. Die Versuchspersonen sollten sich dabei jeweils auf den Lautsprecher direkt vor ihnen oder den direkt neben ihnen konzentrieren. Mit einem Netz von Elektroden maß Münte dabei am Kopf, wie die Aufmerksamkeit anstieg, wenn die Impulse wirklich aus den angegebenen Lautsprechern kamen und wie sich die Aktivität änderte, wenn die Quelle der Töne woanders war.

Sowohl Musiker wie auch Nichtmusiker konnten die Richtung von Tönen, deren Quelle direkt vor ihnen lag, recht genau einordnen. Nur die Dirigenten unter den Testpersonen zeigten zudem spezielle Hirnaktivitäten, wenn die Geräusche aus verschiedenen Quellen neben ihnen ertönten. Zudem hatten sie eine geringere Fehlerrate bei der Bestimmung der Quellen. "Das zeigt, dass diese Personen auch seitlich einen engeren Aufmerksamkeitsfächer haben", berichtet Münte. Die Messungen der Hirnaktivitäten zeigten den Forschern, dass alle dabei die gleichen Areale am Schläfenlappen des Gehirns benutzen. "Dirigenten nutzen diese Bereiche aber anscheinend effizienter."

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