Gesundheit : Nicht Kantinen, sondern exzellenten Unterricht Bulmahn zur Ganztagsschule / Kabinett beschließt Programm

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„Ich will, dass Deutschland in zehn Jahren einen der ersten fünf Plätze in der OECD erreicht“, steckt Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) den anstehenden Bildungsreformen ein Ziel. Um das zu unterstützen, wird sich der Bund in die gehütete Zuständigkeit der Länder für ihre Schulen einmischen und mit vier Milliarden Euro den Ausbau von 10 000 Ganztagsschulen unterstützen. Das Bundeskabinett soll am Mittwoch die ersten 300 Millionen Euro dafür mit dem Etat 2003 beschließen.

Doch was will der Bund mit seinem Geld genau erreichen? „Es geht nicht darum, Kantinen zu bauen, sondern darum, dass Schulen exzellenten Unterricht anbieten“, erläuterte die Ministerin am Dienstag ihre Vorstellungen. Entsprechend habe der Bund auch Hilfen für die Qualifizierung der Lehrer angeboten. Natürlich könne man den Stundenplan der Halbtagsschule nicht einfach auf einen ganzen Tag ausweiten: „Der Wechsel von Freizeitangeboten und Unterricht ist nötig, ohne dass die Förderung zu kurz kommt.“ Und auch die musische Bildung solle gepflegt werden. Bulmahn: „Wir müssen möglichst bald die Qualität der Schulen verbessern. Ich weiß, dass viele Lehrer das begrüßen.“

Die Verbesserung des deutschen Bildungssystems sei „vor allem auch“ eine nationale Aufgabe. Den Plänen der Länder-Finanzminister, die bald schwindenden Schülerzahlen für Einsparungen zu nutzen, erteilte Bulmahn eine Absage: „Es kann nicht sein, dass wir mit aller Kraft auf der Bundesebene versuchen, die Bildung zu verbessern – und die Länder das konterkarieren. Das wird auch der Bundeskanzler nicht mitmachen.“ Am Vortag hatte Bulmahn die unionsgeführten Länder in der Bund-Länder-Kommission für das gemeinsame Schulreformprogramm gewinnen können. Details wurden aber noch nicht festgelegt. Das Programm soll im kommenden Jahr starten und ist bis zum Jahr 2007 angelegt.

Zum guten Abschneiden Bayerns beim innerdeutschen Schulvergleich im Rahmen von „Pisa“ meinte die Ministerin, wenn nur 20 Prozent der Schüler das Abitur erreichten wie in Bayern, „ist das nichts, worauf man stolz sein kann“. Dieses Modell sei als bundesweites Vorbild nicht geeignet; denn „wir brauchen mehr Abiturienten“. Deutschland müsse sich an den internationalen Spitzenreitern der „Pisa“-Studie orientieren. Das sind Finnland und Kanada. Finnland nähert sich bereits einem Abiturientenanteil von 100 Prozent. Bulmahn: „Und ich glaube nicht, dass deutsche Kinder dümmer sind.“

Anlass für Bulmahns Presseauftritt war die Präsentation des Bundesetat-Entwurfs für Bildung und Forschung 2003. Er soll eine Rekordhöhe von 8,6 Milliarden Euro erreichen – plus 300 Millionen Euro für dieSchule und rund 400 Millionen Bafög-Mittel von der Ausgleichsbank .

Die zusätzlichen Mittel kommen im Hochschulbereich hauptsächlich dem Bafög, dem Hochschulbau und dem Nachwuchs zugute. Bei der Forschungsförderung kann die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) jetzt dem Entwurf zufolge erneut drei Prozent mehr erwarten, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und Blaue Liste-Institute 3,5 Prozent. „Der Bund wollte höhere Zuschüsse für MPG und DFG, die Länder aber nicht“, kritisierte Bulmahn. Bärbel Schubert

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