Gesundheit : Niederlande: Der Arzt als Sterbehelfer

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Diane Pretty war 43, als sie starb. Die Britin hatte weltweites Aufsehen erregt, weil sie als fast völlig gelähmte Patientin, erkrankt an amyotropher Lateralsklerose (ALS), das Recht auf Euthanasie („Gnadentod“) einzuklagen versucht hatte. Am 29. April scheiterte sie damit endgültig vor dem Europäischen Gerichtshof. Und am 11. Mai erlag sie ihrem Leiden in einem Todeskampf, dem sie eigentlich mit ärztlicher und juristischer Hilfe zu entgehen gehofft hatte.

Als Holländerin hätte Diane Pretty das Recht auf aktive Sterbehilfe gehabt. Denn in den Niederlanden ist diese nicht strafbar, sofern sie unter strengen gesetzlichen Auflagen erfolgt. Insgesamt scheiden 2,7 Prozent aller Holländer mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben, unter den Krebskranken sind es zehn Prozent. Und fast jeder fünfte Patient mit der unheilbaren Nervenkrankheit ALS entscheidet sich für Euthanasie oder ärztlich betreuten Suizid. Das ergab eine Umfrage von Medizinern aus Utrecht und Amsterdam.

Nach dieser Untersuchung wählten von 203 Patienten mit ALS 35 die Euthanasie und weitere sechs den ärztlich betreuten Selbstmord. Ökonomische Gesichtspunkte spielten dabei keine Rolle, schreiben die Mediziner im Fachblatt „New England Journal of Medicine“. Jedoch entschieden sich religiöse Patienten seltener für Euthanasie.

Bei der ALS werden nach und nach alle Muskeln gelähmt, bis die Patienten schließlich ersticken. Jeder Zweite stirbt innerhalb der ersten drei Jahre. Bei der Euthanasie bekommen die Patienten ein starkes Schlafmittel (Barbiturat), durch das sie ins Koma sinken, und danach ein weiteres Mittel. Beim Suizid mit ärztlicher Hilfe schlucken die Patienten das Schlafmittel.

„Nicht akzeptabel“ sei der hohe Anteil der Euthanasiefälle, kommentieren US-Ärzte die Studie. Andererseits müsse aktive Sterbehilfe für eine kleine Zahl von Patienten erwogen werden – vorausgesetzt, man habe zuvor wirklich alles getan, um zu lindern.wez

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