Gesundheit : Nightfever im OP

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Von Anja Kühne

Wenn Marsmännchen in Berlin-Wedding landen, Küken einer Roboterglucke hinterherlaufen und den wolkenlosen Nachthimmel plötzlich Blitze unter lautem Donner durchzucken, dann ist dies nicht der Beginn einer Invasion aus dem All. Vielmehr feiert die Technische Fachhochschule die „Lange Nacht der Wissenschaften“. 70 Einrichtungen in Berlin und Potsdam wollen dabei dem breiten Publikum zeigen, wie spannend die Wissenschaft ist.

Deshalb wird es am Sonnabend zwischen 17 und ein Uhr so spektakuläre Dinge zu bestaunen geben wie den Teilchenbeschleuniger Bessy II in Adlershof, eine der hellsten Quellen der Welt für ultraviolettes Licht und Röntgenlicht. Zwei gewaltige grüne Laserdreiecke, deren Schenkel zusammengenommen eine Länge von über zehn Kilometern haben, weisen den Weg in das neue Wissenschafts- und Technologiezentrum.

An der Humboldt-Universität nehmen Journalisten Geistes- und Sozialwissenschaftler ins „Kreuzverhör“, Theaterwissenschaftler der FU stehen bereit, um das rätselhafte Wort „Performance“ zu erklären, Studenten geben Crash-Kurse in abseitigen Fremdsprachen. Überall wird vorgetanzt und musiziert, es laufen Filme, zwischendurch kann man sich mit Cocktails und Spezialitäten stärken. Das Programm der „Langen Nacht“ wäre noch in hundert Nächten nicht zu bewältigen. Die Besucher werden von zentralen Punkten in der Stadt mit Shuttle-Bussen in die Labore und Hörsäle gefahren. In Berlin-Buch, wo modernste OP-Säle zu sehen sind, kann man die von den Metereologen vorhergesagte laue Sommernacht auch im Kremser genießen und an der Freien Universität in Dahlem im Velotaxi.

Solarzelle aus Zahnpasta

Die Institute und Hochschulen Berlins und Potsdam wollen mit der „Langen Nacht der Wissenschaften“ in der Öffentlichkeit für ihre Forschungen werben und den Nachwuchs ansprechen. In Adlershof gibt es spezielle Führungen für Schüler. Wie lässt sich aus Früchetee und Zahnpasta eine Solarzelle bauen? Warum wird das Laub gelb? Eltern können ihre Kleinkinder in Adlershof bis um 22 Uhr zur Betreuung abgeben.

Im vergangenen Jahr, als es im Rahmen des „Wissenschaftssommers“ die erste „Lange Nacht der Wissenschaften“ gab, standen die Besucher vor dem Institut für Rechtsmedizin der Freien Universität Schlange. Vielleicht hofften ja manche, eine Leiche zu Gesicht zu bekommen - aber daraus wird auch diesmal nichts: „Das geht schon aus rechtlichen Gründen nicht“, sagt der Rechtsmediziner Günter Schmidt. Statt dessen werden die Wissenschaftler erklären, wie die DNS in Kriminalfällen als Beweismittel eingesetzt wird oder wie die Psychiatrie Straftäter begutachtet. Schließlich geht es in Kleingruppen durch die Sektionssäle - deshalb dürfen auch nur Menschen über 18 Jahre diese Station anlaufen.

Wer immer der Nase nach läuft, erreicht auf seiner Tour vielleicht das Institut für Energietechnik der Technischen Universität in Charlottenburg mit dem „Riechlabor“. Hier erforschen die Heizungs- und Klimatechniker, wie sich den 1000 unliebsamen Gerüchen, die uns überall empfangen, ein Schnippchen schlagen lässt. „Das wird gerade wichtig, wenn die Häuser immer besser abgedichtet werden, um Energie zu sparen“, sagt Klaus Fitzner. Der Austausch durch undichte Fenster fehlt dann, die Luft wird schlecht. Etwa, weil säurehaltiges Papier zersetzt wird, wobei „flüchtige Substanzen“ frei werden. „Im Niedrig-Energiehaus sollte man überflüssige Druckerzeugnisse rausschmeißen oder zumindest in Schränke einschließen“, meint Fitzner. Große Bücherregale gehören dann der Vergangenheit an.

Ein Olf Körpergeruch

Schlechte Luft erkennt auch der Fachmann nur daran, dass sie einfach „muffig und stinkig“ ist, erklärt Fitzner: „Die schlechte Luft hat so viele Komponenten, dass es bislang kein Messgerät gibt, das die menschliche Nase ersetzen kann.“ So müssen Versuchspersonen für die Forscher testen, mit wieviel Dezipol die Luft verunreinigt ist. Den Geruch eines Menschen misst man dagegen in Olf. Ein Mensch, der sich 0,7 mal pro Tag duscht und nur normal aktiv ist, verunreinigt die Luft mit einem Olf. Am Sonnabend, im Nightfever der Forschung, werden es bei manchem schon zwei bis drei sein.

Mehr zum Thema im Internet:

www.LangeNachtderWissenschaften.de .

Eintrittskarten zum Preis von zehn Euro (ermäßigt sechs Euro) gibt es an allen bekannten Theaterkassen, den Kundenzentren der S-Bahn und der Urania, telefonisch unter 308 785 685, und online unter www.tickethotline.de . Die Benutzung von Bussen und Bahnen (Zonen ABC) und dem Shuttleservice ist inklusive. In der Nacht selbst gibt es Karten auch in der zentralen Information der Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, und an den Abendkassen vieler teilnehmender Häuser. Info-Hotline für Besucher: 2809 2765.

Die Eröffnungsveranstaltung beginnt am Sonnabend um 16 Uhr 30 im Innenhof des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität, Unter den Linden 6 mit dem Startschuss durch Bundesforschungsministerin Bulmahn.

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