Gesundheit : Nobelpreis: Herbert Kroemer- Aus kalifornischen Träumen gerissen

Herbert Kroemer zählt zu den Wegbereitern moderner Informationsübertragung. Seine wesentlichen Forschungsbeiträge, für die er zusammen mit dem Amerikaner Jack Kilby und dem Russen Zhores Alferov die höchste internationale Auszeichnung für Physiker erhält, liegen allerdings gut vier Jahrzehnte zurück. "Sie gehen auf Ideen zurück, die Anfang der 50er Jahre entwickelt wurden", erläutert er. Erst 35 Jahre später habe sich die Erkenntnis von der Schichtstruktur der Halbleiter in der Industrie praktisch durchgesetzt. Kroemers Forschungsergebnisse ermöglichten damit den Bau schneller elektronischer Teile, die heute unter anderem in Satelliten und Basisstationen von Mobiltelefonen eingesetzt werden.

Kroemer wurde am 25. August 1928 in Weimar geboren und erhielt 1952 an der Universität Göttingen den Doktortitel der Physik. Bereits in der Schule war er ein "kleines Genie", erzählt sein Bruder Gerhard, der ebenfalls Physiker ist. "Seinen Mitschülern war er Meilensteine voraus." Von Kindesbeinen an habe er sich für Naturwissenschaften begeistert. Dabei galt sein Interesse als Schüler noch mehr der Chemie: "Die chemischen Experimente in der Wohnung haben aber zu einem Machtwort unserer Eltern geführt", sagte Bruder Gerhard.

Seit 1959 lebt Herbert Kroemer zusammen mit seiner Frau Marie-Louise, einer gebürtigen Berlinerin, in die USA. Dort arbeitete er zunächst bei RCA in Princeton (New Jersey), an der Universität von Colorado in Boulder sowie mehreren Industrielabors. Seit 1976 lebt die Familie in Kalifornien. Derzeit arbeitet Kroemer an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara.

Das Nobelpreiskomitee klingelte den 72-Jährigen mitten in der Nacht in seiner Wohnung, die in Santa Barbara in den Bergen liegt, aus dem Bett. "Ich dachte mir, wer ist denn das zu dieser Gott verlassenen Stunde", sagte der künftige Nobelpreisträger und war zunächst regelrecht erzürnt. Dann aber feierte er die Auszeichnung mit seiner Frau und den fünf erwachsenen Kindern, von denen nicht eins in die Fußstapfen des Vaters trat, um die Forscherlaufbahn einzuschlagen.

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