Gesundheit : Noch Hoffnung für das Eis am Nordpol

Arktis-Prognose „voreilig“

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Vor drei Jahren stießen Touristen am Nordpol auf eine anderthalb Kilometer breite Wasserrinne. Am vermeintlich kältesten Punkt der Erde trieb nicht einmal eine Scholle herum, auf der sie sich hätten fotografieren lassen können. Die NordpolPfütze ist zwar längst wieder zugefroren. Aber nun prophezeien Wissenschaftler des Nansen-Forschungsinstituts in Bergen, dass das Eis am Nordpol in den kommenden 100 Jahren auf Grund der globalen Erwärmung vollständig schmelzen werde. „Am Ende dieses Jahrhunderts wird es im Sommer kein Eis mehr am Nordpol geben“, sagt Ola Johanessen. Andere Forscher widersprechen ihm und halten den Schluss für voreilig.

Seit den 50er Jahren hat das Eis im Nordpolarmeer in der Tat abgenommen. Satellitenbilder belegen, dass die eisbedeckte Fläche um etwa 15 Prozent kleiner geworden ist. Das grönländische Eis ist ebenfalls etwas zurückgegangen, denn der Verlust an den Rändern wird durch die zunehmenden Niederschläge und Schneemassen im Landesinnern nicht aufgewogen. Das Polareis in der viel kälteren Antarktis ist dagegen nicht weniger geworden. Es wächst wegen stärkerer Niederschläge eher, als dass es schrumpft.

Ob und wie schnell sich der Trend in der Arktis fortsetzen wird, ist unter Polarforschern umstritten. Wenn das Eis am Nordpol wegtaut, könnte die globale Erwärmung noch verstärkt werden. Das helle Eis wirft nämlich einen Gutteil der Sonnenenergie ins All zurück. Verschwindet es, nimmt das zurückgebliebene, viel dunklere Wasser mehr Wärme auf.

Andererseits verändern sich in der Arktis die Meeresströmungen ständig. Und wie viel Meereis sich bildet, hängt davon ab, wie viel Süßwasser in die Polargebiete gelangt. Süßwasser friert leichter als Salzwasser. Es ist daher bisher unklar, wie stark der Rückgang des arktischen Eises mit der globalen Erwärmung zusammenhängt. Und es kann sogar sein, dass es in der Arktis mit der Zeit wieder deutlich kühler werden wird: wenn nämlich der Süßwassereintrag steigt, der wärmende Golfstrom abgeschwächt wird und daher nicht mehr so weit nach Norden vordringt.

„Das Problem ist vielschichtig“, sagt Heinz Miller vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, der die Studie des Nansen-Forschungsinstituts für mangelhaft hält. „Wir wissen noch nicht, wie der langfristige Trend aussehen wird.“ Mit dem Satelliten „Cryosat“ wollen er und andere Forscher von Herbst 2004 an das Polareis kontinuierlich beobachten und die Dicke messen. tdp

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