Gesundheit : Ohne Bibliothek und Sekretärinnen

Finanzsenator schickt Unternehmensberater in die Universitäten – 200 Millionen Euro sollen eingespart werden

Bärbel Schubert

BERLINS HOCHSCHULEN IN DER FINANZKRISE

Wenn es nach der Unternehmensberatung Roland Berger geht, werden Berlins Universitäten künftig ohne eigene Bibliotheken auskommen müssen. Denn diese fallen in den engeren Bereich der anvisierten Einsparungen an Berlins Hochschulen und sollen zusammengelegt werden. Im Fokus der Sparüberlegungen finden sich auch die Sekretärinnen der Professoren. Diese Vorschläge gehen aus einem Gutachten hervor, das die Unternehmensberater im Auftrag der Senatsbehörde für Finanzen erstellt hat.

Danach beträgt das Einsparvolumen an den Universitäten 200 Millionen Euro jährlich plus weiterer nicht genau bezifferter Posten. Betrachtet werden Aufgaben außerhalb der wissenschaftlichen Kernbereiche. Wissenschaftssenator Thomas Flierl hält die Zahlen nicht für verwertbar. Bei einer Senatsklausur über die Einsparungplanungen am Wochenende sollen sie diskutiert werden.

Die Ökonomen gehen von einem jährlichen Landeszuschuss an die Hochschulen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro aus. Tatsächlich erhalten die Universitäten aber nur knapp eine Milliarde Euro plus gut 260 Millionen Euro für die Medizin. Für diesen Bereich liegen aber bereits eigene Sparpläne über mehr als ein Drittel ihrer Landesfinanzierung (98 von 264 Millionen Euro) vor. Da die Angaben in dem Papier außerdem weitgehend über Hochrechnungen von Zahlen für die Freie Universität erstellt wurden, können die Fachhochschulen mit ihrer abweichenden Kostenstruktur darunter eigentlich nicht subsumiert werden.

Die besondere „Standortbedeutung“ der Wissenschaft räumen die Unternehmensberater ausdrücklich ein, fordern aber, durch besseres Hochschulmanagement die Kosten zu senken. Dazu gehört, dass Berlins Hochschulen künftig stärker zusammenarbeiten. Mehrere oder alle Hochschulen sollten „Aufgabenbereiche“ bündeln, heißt es in dem Papier „Optimierung von Service- und nicht-wissenschaftlichen Funktionsbereichen“. Außerdem soll ein effektives Gebäude-Management weitere Kosten sparen. Hier werden besondere „Rationalisierungsreserven“ außerhalb der wissenschaftlichen Arbeit im engeren Sinne gesehen. Dazu kommen Einsparmöglichkeiten in Forschung und Lehre, die aber zurückgestellt werden.

Als „Synergiepotenziale“ werden besonders Verwaltungs- und Serviceeinrichtungen genannt, die jede Hochschule vorhält. Dazu gehören Rechenzentren. Auch dass die Hochschulen je eigene Bibliotheken, Sprachzentren und Druckereien betreiben, ist den Rechnern ein Dorn im Auge. Aus der Auflistung lässt sich auch ableiten, dass die Verwaltungen der Hochschulen zusammengelegt werden sollen. „Die Zusammenarbeit in der Verwaltung ist angedacht, in der Realität bestehen aber noch vielfältige kostenintensive Doppelstrukturen“, heißt es in dem Papier.

„Erhebliche“ Kapazitäten sehen die Unternehmensberater außerhalb des engeren bereichs wissenschaftlicher Arbeit gebunden. Beispiele sind die Sekretariate der Fachbereiche und Wissenschaftler mit nicht-wissenschaftlichen Aufgaben. Doch dies kommt aus Sicht der Hochschulen so gut wie nicht vor.

In diesen Funktionen sehen die Autoren insgesamt rund 350 bis 460 Millionen Euro gebunden. Dabei ist auch der Service für die Studenten mitgerechnet, genauso wie zentrale und dezentrale Verwaltungsaufgaben. Von diesen 350 bis 460 Millionen Euro wollen die Unternehmensberater bis zu 50 Prozent streichen. 15 Prozent Kürzung sollen durch die proportionale Anpassung an die Studienplatzentwicklung realisiert werden. Rund 25 Prozent Einsparung entfallen durch die Einrichtung gemeinsamer Servicezentren für je zwei bis drei Hochschulen. Für den Studienservice wird ein „Optimierungspotenzial“ von mindestens 50 Prozent angenommen.

Die künftige Berliner Hochschul-Holding habe auch durch „gemeinsames Einkaufsmanagement“ Sparpotenzial. Von Sachausgaben in Höhe von über 100 Euro erwarten die Unternehmensberater „Effizienzgewinne“ zwischen 15 und 20 Prozent. Die neue Organisation der Fachbereichsverwaltungen beziffern sie nicht mit einer Sparsumme. Künftig soll es dafür einen Leiter, zwei Sachbearbeiter und eine Sekretariatskraft pro 1500 Studenten geben.

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