Gesundheit : Ohne Geld so gut wie Oxford sein

ADELHEID MÜLLER-LISSNER

Über den Titel der Veranstaltung habe er sich kräftig geärgert, so gestand Hans Joachim Meyer, sächsischer Staatsminister für Wissenschaft und Kultur und derzeitiger Präsident der Kultusministerkonferenz, gleich zu deren Beginn. "Weg mit dem Diplom?" war tatsächlich nicht die Hauptfrage, die sich beim vierten Forum der Reihe "Pariser Platz" stellte. Die von DeutschlandRadio Berlin, Phoenix, dem Ereigniskanal von ARD und ZDF, der Dresdner Bank AG und der Frankfurter Rundschau veranstaltete Podiumsdiskussion in der Rotunde der Bank am Pariser Platz widmete sich grundsätzlicheren Fragen der Hochschulpolitik.

"Ich halte es für notwendig, daß Studenten heute einen Teil ihres Studiums im Ausland absolvieren" so hatte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn gleich zu Beginn festgestellt. Eines der Hindernisse dafür besteht allerdings in mangelnder Vergleichbarkeit und Anerkennung von Studiengängen und Abschlüssen. Handlungsbedarf also für Politik und Hochschulen, um mindestens in Europa die Bildungsabschlüsse zu harmonisieren. Und so kam man am Thema Diplom dann doch nicht vorbei: In einer "stark vom Englischen geprägten Welt", so Minister Meyer, laufe das deutsche Diplom inzwischen "Gefahr, unter Wert gehandelt zu werden".

Abhilfe verspricht das international übliche Modell der "konsekutiven" Studiengänge mit den Abschlüssen Bachelor und Master. Der angelsächsische "Master" entspricht weitgehend dem deutschen "Magister" und sollte nach Ansicht von Minister Meyer auch so genannt werden: "Ich vermag beim besten Willen nicht einzusehen, warum deutsche Universitäten englische Titel einführen sollten" sagte der studierte Anglist. Heftiger Beifall signalisierte die Zustimmung des Publikums.

Ob der schon nach sechs Semestern zu erwerbende erste Studienabschluß den Studierenden den englischen Titel "Bachelor" oder den mittelalterlich anmutenden "Baccalaureus" einbringen soll, der zudem zu Verwechslungen mit dem französischen Abitur (baccalauréat) Anlaß geben könnte, ist eine andere Frage. Weit wichtiger ist jedoch, darin war sich die Diskussionsrunde einig, was mit einem solchen akademischen Basis-Grad überhaupt anzufangen ist. Nur wenn mit ihm eine "Vorstellung von Berufsbefähigung" verbunden sei, sei seine Einführung sinnvoll, so Minister Meyer. Sein Namensvetter, der Präsident der Humboldt-Universität Hans Meyer, sekundierte: Wer an den Bachelor nur mit dem Gedanken herangehe, eine größere Anzahl von Studenten zum schnelleren Abgang von der Universität zu motivieren, könne sich leicht verrechnen. Das zeige das Beispiel Dänemark: 90 Prozent der Studierenden machen dort nach dem Bachelor weiter. Der sächsische Wissenschaftsminister will vor den Beginn eines Magister-Studiums deshalb eine Aufnahmeprüfung setzen.

Ernst Elitz, Intendant des DeutschlandRadios und zusammen mit Jutta Roitsch von der Frankfurter Rundschau mit der Moderation der Diskussion betraut, appellierte an Wirtschaft und Öffentlichen Dienst, den Absolventen eines solchen neuen "Bachelor"- Abschlusses auch neuartige berufliche Chancen anzubieten.

Daß sie sich deshalb nach wenigen Semestern "für immer" von der Hochschule verabschieden, um ins Berufsleben überzuwechseln, ist damit nicht gesagt. "Jeder Studierende weiß heute, daß das Studium nicht für das ganze Leben ausreicht", so betonte Ministerin Bulmahn. Sie bedauerte jedoch, daß das Prinzip des lebenslangen Lernens inzwischen "eher in Sonntagsreden" vorkomme.

Arend Oetker, Vorstandsvorsitzender des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft e.V., plädierte nachdrücklich für den Konkurrenzkampf der Hochschulen um Qualität von Forschung und Lehre. Insgesamt attestierte daraufhin Minister Meyer den deutsche Universitäten einen guten Ruf im Ausland. Ein Hindernis für das Vorrücken an die Spitze sieht er jedoch darin, daß das Abitur hierzulande nach wie vor als "Eintrittsbillet" reiche. HU-Präsident Meyer sieht das Problem eher in der Finanzierung: "Die Politik belastet uns übermäßig, sagt dann aber, wir müßten so gut sein wie Oxford." Wenn nach wie vor mehr deutsche Studenten ins Ausland gingen als umgekehrt, so liege das allerdings nicht am mangelnden Ruf der deutschen Universitäten: "Die Sperre liegt darin, daß die Leute nicht Deutsch lernen wollen."

Und die Qualität von Forschung und Lehre? Ein Teil des Professorengehalts solle künftig leistungsbezogen vergeben werden, dafür sei auch eine Änderung des Dienstrechts vorgesehen, so versicherte Ministerin Bulmahn. Daß man die Lehre bewerten kann, ist für den Präsidenten der HU keine Frage: "Die hohe Kunst liegt darin, ein ordentliches Verfahren dafür zu finden."

Die Evaluation durch die Studenten spielt dabei schon heute eine wichtige Rolle. Hochschullehrer Hans Meyer, der seine Profession ohnehin als "eine Art Künstlerberuf" mit Beamtenstatus ansieht, hält das für sinnvoll: "Daß das Gehalt des Professors immer gleichbleibt, ist eigentlich nicht notwendig."

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