Gesundheit : Online studieren: Juristen erobern das Internet

Johanna Mantel

Ohne Internet kein Jurastudium. Das jedenfalls behauptet die Homepage eines virtuellen Online-Seminars in Saarbrücken. Zunehmend brauchen die Juristen das Netz nicht mehr nur, um für Hausarbeiten oder Seminararbeiten zu recherchieren. Vielmehr werden dort Materialien und Informationen zum Studium bereitgestellt.

Leider gibt es nur wenige und unvollständige juristische Suchmaschinen. Es mehren sich jedoch die Seiten, die Abhilfe versprechen. Das "Juristische Internetprojekt Saarbrücken" zum Beispiel hat das hochgesteckte Ziel, juristische Information systematisch zu erschließen. Das Projekt wurde von Studenten initiiert, als es das WWW noch gar nicht gab. Heute enthält das Projekt mehr als eine Million publizierter Seiten. Das Online-Seminar ist nur eines von vielen virtuellen Angeboten, die dort vorzufinden sind. Aus der ganzen Welt können Studenten problemlos daran teilnehmen, in virtuellen Teams arbeiten und Diskussionsforen besuchen. Sie sollen lernen, mit dem "Virtual Learning Environment", dem Internet als "Lernatmosphäre", umzugehen. "Es ist jedoch sehr viel schwieriger, ein virtuelles Seminar zu betreuen, als sich einmal in der Woche zu treffen und zu diskutieren", erklärt Projektleiter Helmut Rüßmann.

Auch bleibt das Problem der wissenschaftlichen Verlässlichkeit virtueller Quellen. Die Redaktion der juristischen Internet-Publikation Humboldt Forum Recht (HFR) hat sich daher ein Kuratorium aus drei Professoren geholt, das die wissenschaftliche Qualität sichert. Gemeinsam mit dem Forum Historiae Iuris (FHI), einer rechtshistorischen Zeitschrift, experimentiert die HFR mit dieser neuen Publikationsform. Den Schwerpunkt legen die Macher dabei auf die Entwicklung von juristischen Hypertexten, die sich stark von der Form gedruckter Aufsätze unterscheiden. "Die Dokumente haben mehrere Ebenen, so dass der Leser bestimmte Aspekte des Beitrags vertiefen kann, indem er Unterebenen aufruft", erklärt Redaktionsmitglied Cornelius Renner. "Außerdem kann man durch Links aus einem Beitrag zum Beispiel in ein Bundesgerichtshof-Urteil springen, was im Print-Medium nicht so einfach möglich ist." Viele Texte sind von Nachwuchskräften verfasst, deren Texte in den klassischen juristischen Zeitschriften kaum Veröffentlichungschancen hat. Dennoch zählen auch bekannte Namen, wie Limbach, Däubler-Gmelin und Weizsäcker zu den HFR-Autoren.

Den Großteil der juristischen Internetpräsenz machen die Uni-Seiten aus. Auf diesen "persönlichen" Seiten der Professoren können Studenten in einem Rechtsgebiet suchen, Vorlesungsmaterial herunterladen oder sich bei einem Uni-Wechsel über die künftigen Dozenten informieren. Viele Professoren bemühen sich um einen guten Internetauftritt. Dennoch betont Professor Rüßmann das soziale Lernen auch im Internet. "Auch wenn sich die didaktischen Formen in Zukunft ändern werden, es muss immer ein Präsenzelement dazukommen", erklärt er. Er hat schon mit einem virtuellen Diskussionsforum experimentiert, um den Studierenden Fragemöglichkeiten zu eröffnen, da Vorlesungen meistens so überlaufen sind, dass der Dozent nicht auf die einzelnen Fragen der Studierenden eingehen kann. "Aber viele der Beiträge waren anonym und reine Beschimpfungen. Nur die Hälfte galt dem Inhalt", sagt Rüßmann.

Gerade hier liegen die meisten Probleme. Selina Zedler betreut die Seiten der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität und ist mit dem Problem konfrontiert, die Vorstellungen der Professoren umzusetzen. "Meist brauchen sie einen repräsentativen Rahmen, also einen hohen Qualitätsstandard", erklärt sie "und dann muss es natürlich schnell gehen." Dass die technische Umsetzung kompliziert ist, bedenken wenige.

Christoph Paulus, Professor für Zivilrecht an der HU setzt seine Vorstellungen selbst um und hat auf seinen Seiten das unter Juristen berühmte Café Paulus gegründet - einen virtueller Treffpunkt für Surfer."Die Materialien sind allgemein zugänglich und man hat einen besseren Überblick", meint Christoph Paulus zu den Vorteilen des Internets. Aber entscheidend sei der internationale Aspekt. "Damit verwirklicht sich schon ein Ideal des Mittelalters", schwärmt er. "Die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern in aller Welt."

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