OP-Kurs : So wird ein Herz transplantiert

Wie das Spenderherz zum Patienten kommt, wie es eingepflanzt wird und wie die Nachsorge verläuft.

Björn Rosen

Ob jemand ein Spenderherz bekommt und wenn ja, welches, entscheidet die Organisation „Eurotransplant“ in den Niederlanden: Je gesünder ein Patient abgesehen von seinem Herzfehler ist, desto besser sind seine Chancen auf eine Transplantation. Empfänger und Spender müssen die gleiche Blutgruppe haben und etwa gleich groß und schwer sein. „Der Pumpmuskel einer zierlichen Frau wäre überfordert, den Körper eines stämmigen Mannes mit Blut zu versorgen. Umgekehrt würde ein sehr großes Herz nicht in einen kleinen Brustkorb passen“, sagt Hans Lehmkuhl, Oberarzt im Transplantationsteam am Deutschen Herzzentrum Berlin.

Trifft beim Herzzentrum die Nachricht ein, dass ein Patient ein Organ bekommen kann, reisen die Berliner Ärzte in die Klinik, wo der Spender liegt. Dieser muss hirntot sein, das Herz muss noch gut schlagen. Die Ärzte operieren es heraus, lagern es in einer sterilen Plastiktüte, die mit eiskaltem Wasser gefüllt ist, und fahren oder fliegen so schnell es geht zurück: Denn innerhalb von vier Stunden muss das Herz dem Empfänger eingepflanzt werden.

Zurück im Herzzentrum wird der Empfänger in Vollnarkose versetzt und sein Brustkorb wird der Länge nach aufgesägt. Das kranke Herz wird vom Blutkreislauf getrennt. Dazu schließen die Ärzte kleine Schläuche an die großen Blutgefäße an, von denen einige zum Herzen hin- und andere vom Herzen wegführen. Auf der anderen Seite sind die Schläuche mit einer Herz-Lungen-Maschine verbunden, die die Aufgaben des Pumpmuskels übernimmt. Blut fließt in die Maschine, wird mit Sauerstoff angereichert und wieder zurück in den Körper geleitet.

Als Nächstes werden die Gefäße dicht am Herzen, wie die Haupt- und Lungenschlagader, abgebunden und dahinter mit einem Messer durchtrennt. Die meisten Verbindungen des kranken Herzens sind damit gekappt und es kann entnommen werden. Danach wird das neue Herz eingesetzt und Schritt für Schritt durch Fäden mit den abgetrennten Gefäßen verbunden und an die Vorhöfe angenäht. Wenn alle Verbindungen hergestellt sind, wird Blut durch das Herz geleitet. Beginnt es normal zu schlagen, kann der Patient von der Herz-Lungen-Maschine getrennt werden. Er bleibt noch einen Tag auf der Intensivstation.

Nach ein paar Wochen im Krankenhaus wird der Patient in die Reha-Klinik verlegt. Denn nach der OP muss er noch eine schwierige Phase überstehen: „Wie alles Unbekannte und möglicherweise Gefährliche, versucht der Organismus das neue Herz abzustoßen“, sagt der Kardiologe Lehmkuhl. Eine ganze Armada von Immunzellen attackiert das neue Herz. Um diese natürliche Reaktion zu unterdrücken, bekommen die Patienten Mittel, die die Immunzellen blockieren. Das schwächt allerdings die gesamte Abwehr und Bakterien, Pilze und Viren haben es nun leichter, den Körper anzugreifen.

Die Patienten müssen lebenslang zu Nachuntersuchungen kommen und die Mittel gegen eine Abstoßung nehmen, wenn auch in abnehmender Dosierung. Besonders gefährlich ist das erste Jahr nach der OP: 15 bis 20 Prozent der Patienten sterben in dieser Zeit. Björn Rosen

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