OP-Kurs : So wird ein Kaiserschnitt gemacht

Björn Rosen

Früher war der Kaiserschnitt eine reine Notmaßnahme, heute wird er auch ohne zwingende medizinische Gründe auf Wunsch der Mutter durchgeführt. Wenn Gefahr für Mutter oder Kind besteht, gibt es aber keine Alternative zum Kaiserschnitt. Wenn die Mutter krank ist, das Ungeborene ungünstig liegt oder zu groß ist, muss operiert werden. Manchmal entscheidet sich der Arzt erst während der Geburt zu einem Eingriff, weil zum Beispiel die Gebärmutter reißt.

Der Fachbegriff „Sectio caesarea“ hat mit dem römischen Kaiser Julius Caesar vermutlich nichts zu tun. Durch eine falsche Übersetzung wurde der „Kaiserschnitt“ daraus – in Wirklichkeit leitet sich der Begriff wohl vom lateinischen „caedere“ ab, was „ausschneiden“ heißt.

Damit die Frau den Kaiserschnitt nicht spürt, wird vorher ein regionales Anästhetikum in den unteren Teil des Rückens gespritzt. In diesem Fall bleibt die Mutter bei Bewusstsein und erlebt die Geburt mit. Nur die Schmerzfasern unterhalb des Nabels sind blockiert. Das regionale Betäubungsmittel braucht aber einige Zeit, um zu wirken. „In Notfallsituationen wird die werdende Mutter deshalb in Vollnarkose versetzt – das geht schneller“, sagt Uwe Ulrich, Chefarzt der Frauenklinik am Martin-Luther-Krankenhaus in Grunewald. Dann beginnt der eigentliche Kaiserschnitt: Der Arzt setzt das Skalpell am Unterbauch an und durchtrennt – mit einem zehn bis 15 Zentimeter langen Querschnitt – zuerst die Haut und das Fettgewebe, dann die Körperhülle, dann das Bauchfell und schließlich die Vorderwand der Gebärmutter. Der Arzt öffnet das Gewebe mit behutsamen Fingerbewegungen. Wenn sie noch intakt ist, bringt er die Fruchtblase zum Platzen. Durch die entstandene Öffnung kann der Arzt das Baby am Kopf herausziehen. Ein Assistent hilft, indem er leicht auf die Oberkante der Gebärmutter drückt und das Kind damit herausdrückt.

„Dann wird kontrolliert, ob die Gebärmutter und das umgebende Gewebe unverletzt sind. Wenn alles in Ordnung ist, können die Schichten der Reihe nach wieder zugenäht werden“, sagt Gynäkologe Ulrich. Die Operation dauert 20 bis 40 Minuten, und normalerweise können Mutter und Kind die Klinik nach sechs Tagen verlassen.

Auch wenn das erste Kind mit chirurgischer Unterstützung zur Welt kam, kann das zweite natürlich geboren werden. Weil die Gebärmutter einmal geöffnet wurde, ist das Risiko für Komplikationen, auch während der Schwangerschaft, aber ein wenig größer.

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