Gesundheit : Operation Placebo

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Eine der häufigsten Arten von Gelenkoperationen ist US-Wissenschaftlern zufolge äußerst fragwürdig. Unter 180 Patienten, die sich wegen einer Arthrose („Verschleißrheumatismus“) einer Spiegelung des Kniegelenks unterzogen, hatte man bei jeweils einem Drittel den Gelenkknorpel abgeschliffen, das Gelenk ausgespült – oder nur eine Scheinoperation gemacht. Dabei wurde lediglich ein Einschnitt am Knie gesetzt, ohne die Operationsinstrumente in die Wunde einzuführen. Zwei Jahre später hatten sich die Schmerzen und die Funktion des Kniegelenks in allen drei Gruppen „moderat“ gebessert, berichtet Nelda P. Wray vom Baylor College of Medicine in Houston im US-Fachblatt „New England Journal of Medicine“. Zu mehreren Zeitpunkten nach dem Eingriff ging es den Patienten mit der Scheinoperation sogar besser als den anderen beiden Gruppen. „Da fragen wir uns, ob man das Geld für die Kniegelenksarthroskopie nicht besser angelegen kann“, sagte Wray.

In den USA werden jährlich 650 000 dieser Eingriffe vorgenommen; umgerechnet auf Deutschlands Bevölkerung entspräche dies über 200 000 Operationen. Etwa fünf Millionen Menschen leiden hier zu Lande unter arthrosebedingten Gelenkbeschwerden. „In der Tat macht ein Eingriff nur bei streng ausgewählten Patienten Sinn, etwa bei vielen Verletzungen des Meniskus“, kommentiert Oberarzt Holger Schmitt von der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg. Nach Schmitts Erfahrung bringt die Operation bei älteren Patienten mit großflächigen Abnutzungen des Gelenkknorpels bestenfalls eine kurzfristige Linderung.sim

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