Gesundheit : Opposition an der FU grummelt

Kleine Gruppen wollen Vizepräsidenten stellen

Anja Kühne

In drei Wochen wählt die Freie Universität ihren Präsidenten. Dass er wieder Dieter Lenzen heißen wird, gilt als sicher. Am Mittwoch nominierte der Akademische Senat (AS) der FU den Erziehungswissenschaftler wie berichtet mit 17 von 24 Stimmen als einzigen Kandidaten (bei vier Nein-Stimmen und drei Enthaltungen). Obwohl man sich über den Präsidenten einig ist, grummelt es in der Opposition der Professoren im AS. Es geht um die Frage, aus welcher Gruppe die Vizepräsidenten kommen sollen. Sowohl die konservative „Liberale Aktion“ als auch der linke „Dienstagskreis“ fühlen sich von Lenzen und seiner „Vereinten Mitte“ übergangen, weil ihre Wünsche für die Posten der Vizepräsidenten bislang nicht berücksichtigt wurden. Man werde Lenzen deshalb bei der Präsidentenwahl gegebenenfalls die Ja-Stimme verweigern, ist aus beiden Gruppen zu hören. Auch sei zu befürchten, dass das Gremium in Zukunft weniger einträchtig arbeiten werde.

Der AS wird in der Gruppe der Professoren von der „Vereinten Mitte“ dominiert, der acht von 13 Professoren angehören. Ihr Motto: „(partei-)politisch neutral, leistungsorientiert, pragmatisch“. Dem linken „Dienstagskreis“ gehören drei Professoren im AS an. Aus der „Liberalen Aktion“ kommen zwei Professoren.

„Es ist im Interesse der Universität, eine Repräsentanz aller Gruppierungen im Präsidium anzustreben. Das ist Teil des Erfolgsrezepts der FU“, sagte Gerd Hoff, Professor für Erziehungswissenschaft und Mitglied des „Dienstagskreises“, am Mittwoch im Akademischen Senat. „Wir wären weitaus glücklicher, wenn der Erste Vizepräsident wieder von einer kleineren Gruppe gestellt würde“, sagte auch der Romanist Joachim Küpper von der „Liberalen Aktion“.

In der letzten Legislaturperiode war die Opposition ins Präsidium eingebunden. Die „Liberale Aktion“ hatte mit dem Romanisten Klaus Hempfer den Ersten Vizepräsidenten gestellt, der „Dienstagskreis“ den Politologen Werner Väth als Vizepräsidenten. Hempfer will sich nun jedoch wieder der Forschung widmen und steht für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung. Die von der „Liberalen Aktion“ statt dessen für den Posten vorgeschlagenen Professoren Joachim Küpper oder Paul Nolte habe die „Vereinte Mitte“ aber nicht akzeptieren wollen, war zu hören.

Statt dessen präsentierte die „Vereinte Mitte“ eine eigene Kandidatin: die Amerikanistin Ursula Lehmkuhl. Lehmkuhl wurde zwar am Mittwoch vom AS als einzige Kandidatin als Erste Vizepräsidentin nominiert (19 Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen, drei Enthaltungen). Doch sei noch am Morgen offen gewesen, ob die Opposition im AS nicht eigene Kandidaten aufstellen würde, hieß es. Nur um im Elitewettbewerb nicht zerstritten zu wirken, habe man davon abgesehen.

Der „Dienstagskreis“ wünscht sich als einen der drei übrigen Vizepräsidenten, die erst in den nächsten Wochen nominiert werden, erneut den Politologen Werner Väth. Die „Vereinte Mitte“ lehnt Väth jedoch ab – aus Sicht des „Dienstagskreises“ mit vorgeschobenen Argumenten: Väth müsse nach insgesamt 13 Jahren als Vizepräsident abgelöst werden. Das Präsidium brauche eine Verjüngung und mehr Frauen. Auch Lenzen ging in der Sitzung des AS auf Distanz zu Väth. Angesichts der Pläne für einen Elitewettbewerb in der Lehre brauche die FU für diesen Bereich eine exzellente Kraft. Dass er Väth für eine solche Kraft hält, sagte Lenzen nicht. Und nur Hempfer, nicht aber Väth, sprach der Präsident seinen „tief empfundenen Dank“ aus.

Aus Sicht des „Dienstagskreises“ wird Väth für viele Probleme zum Sündenbock gemacht. Väth ist für das schwierige Feld der Lehre zuständig und muss umstrittene Entscheidungen der Politik wie den Bolognaprozess und die neue Lehrerbildung umsetzen. Der Politologe Hajo Funke sagte, der Studentenstreik vor einem Jahr gegen die Computerverwaltung „Campus Management“ wäre ohne Väths Fähigkeit, die Studierenden anzusprechen, nicht so bald beendet worden.

Die „Liberale Aktion“ erwartet nun, dass sie zumindest bei den drei weiteren Vizepräsidenten berücksichtigt wird. Hier kämen der Romanist Küpper oder der Historiker Nolte aber nur in Frage, wenn Lehmkuhl als Vizepräsidentin nicht die Geisteswissenschaften und nicht die Sozialwissenschaften vertritt. An der FU bilden die Vizepräsidenten traditionell die großen Disziplinen ab. Sollte Lehmkuhl die Geisteswissenschaften repräsentieren, will die „Liberale Aktion“ die Pharmakologin Monika Schäfer-Korting für den Bereich Medizin/Naturwissenschaften aufstellen.

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