Gesundheit : Pädagogik geht vor

Besser vorbereitet in die Schule: Die FU bringt mehr Praxis in die Ausbildung der Grundschullehrer

Uwe Schlicht

Berliner Lehrerstudenten sollen in Zukunft besser auf die Arbeit in der Schule vorbereitet werden. Ob die im Moment laufende Reform der Lehrerausbildung das wirklich leistet, ist jedoch umstritten. Einen Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zustand gibt es aber wenigstens in der Grundschulpädagogik: Die Freie Universität hat am Mittwoch einen neuen Bachelor-Studiengang für Grundschullehrer beschlossen, in dem die Pädagogik deutlich aufgewertet wird. Start ist das Wintersemester. Die neue Studienordnung beruht auf einem Papier, das Berlins Universitäten gemeinsam mit den zuständigen Senatsverwaltungen für Bildung und Wissenschaft entwickelt haben. So ist zu erwarten, dass auch die Humboldt-Universität diese Konzeption übernimmt.

Zum ersten Mal wird damit in einem Bachelor-Studiengang die Schulausbildung in den Mittelpunkt gerückt. Das bedeutet eine Abkehr von dem bisherigen Prinzip, die künftigen Lehrer im Bachelor zunächst „polyvalent“ auszubilden, das heißt für „bestehende und noch zu entwickelnde Berufsfelder außerhalb des Lehramtes“, wie es im Berliner Lehrerbildungsgesetz heißt.

Die revolutionäre Neuerung dieses Studiengangs liegt im Gegenteil in der klaren Orientierung am künftigen Lehrerberuf. Die meisten Leistungspunkte von den 180 geforderten dienen ausschließlich der Lehrerbildung. Die Zeiten, da dafür nur 30 oder 60 Leistungspunkte vorgesehen waren, sollen zu Ende gehen.

Im Mittelpunkt steht die Grundschulpädagogik. Das heißt, die künftigen Lehrer werden im Kernfach Deutsch, Mathematik und Sachunterricht sowie musisch-ästhetische Erziehung ausgebildet und das immer in Verbindung mit der didaktisch angemessenen Vermittlung für die Altersstufe der Sechs- bis Zwölfjährigen. Allein 90 Leistungspunkte sind für dieses Kernfach vorgesehen. Dazu kommt das gründliche Wissen in Pädagogik und Entwicklungspsychologie, das nicht nur im Kernfach vermittelt wird, sondern zusätzlich auch noch in der angebotenen Berufswissenschaft für das Lehramt. Die Berufswissenschaft wird mit 30 Leistungspunkten bewertet. 60 Punkte sind für ein Nebenfach vorgesehen, das in Form von Modulen aus anderen Bereichen gewählt werden muss.

Der Dekan des Fachbereichs Erziehungswissenschaften, Gerd Hoff, erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, dass die Erziehungswissenschaftliche Fakultät von Anfang an einen Studiengang für die Grundschulpädagogik gewollt habe, der die Lehrerbildung in den Mittelpunkt stellt. Dies in der Universität durchzusetzen, sei an der FU bisher nicht gelungen, weil die Universitätsleitung die Konzeption von „polyvalenten Studiengängen“ verlangt habe.

Der bisher in der Grundschulpädagogik geltende Studiengang an der FU hatte für den Kernbereich nur 60 Leistungspunkte vorgesehen. Obwohl er bei den Studierenden nicht akzeptiert ist, war die Nachfrage groß. Immerhin wollten so viele Studenten in die Grundschulpädagogik einsteigen, dass ein Abiturnotendurchschnitt von 1,7 oder 1,8 verlangt wurde. Das sind Anforderungen, die eigentlich bei einem Elitestudiengang angemessen sind, aber nicht bei der Grundschulpädagogik, die einst den Kern der Ausbildung an einer Pädagogischen Hochschule gebildet hatte. Da jetzt gleichzeitig die Kapazität erweitert wird und die FU in die neu konzipierte Grundschulpädagogik investieren möchte, rechnet der Dekan damit, dass künftig ein Abiturnotendurchschnitt zwischen „zwei“ und „drei“ für die Zulassung ausreichen wird. Mit Spannung wartet Hoff auf die Reaktion der Politiker und der Senatsschulverwaltung. Denn die Polyvalenz des Bachelors – die Vorbereitung auf pädagogische Berufe außerhalb der Schule – wird an den Rand gerückt.

Die übrigen Bachelor-Studiengänge für Lehrer sind anders konzipiert: Innerhalb von drei Jahren sollen die Studenten 180 Leistungspunkte erwerben – 150 davon sind für das Studium zweier Fächer vorgesehen (zum Beispiel Deutsch, Mathematik) und nur 30 Leistungspunkte für das eigentliche Lehrertraining in Erziehungswissenschaften und Psychologie. Seit dem Jahr 2004 gibt es trotz dieser absurden Konstruktion kaum Bewegung. Die Überlegungen der Politiker, für Bachelor-Studenten einen Berufseinstieg als Schulassistenten ohne den anschließenden Master zu schaffen, sind über die Idee noch nicht hinausgekommen.

Auch der neue Bachelor-Studiengang Grundschulpädagogik führt die Absolventen nicht direkt in den Beruf. Sie müssen noch ein Masterstudium aufsatteln, wenn auch in verkürzter Form von nur einem Jahr.

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