Gesundheit : Palucca Schule: Jeder tanze seinen eigenen Weg. Tanzschule in Dresden feiert 75-jähriges Bestehen

Sandra Luzina

Die Palucca Schule Dresden kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Mit einem umfangreichen Fest-Programm begeht Deutschlands einzige eigenständige Tanzhochschule vom heutigen Donnerstag bis zum Sonntag ihr 75-jähriges Jubiläum. 1923 beendete Gret Palucca ihre Ausbildung bei Mary Wigmann, bereits 1925 gründete sie ihre eigene Schule für Modernen Tanz in Dresden, Dependancen wurden später in Berlin (1928) und Stuttgart (1931) eröffnet. Damals stand die gebürtige Münchnerin am Beginn ihrer glanzvollen Tänzerinnenkariere. Sie galt als Antipodin zur düsteren Wigman, gerühmt wurde ihr lebensbejahender Ausdruck, ihre Musikalität und Virtuosität.

Doch die Palucca war auch eine passionierte Lehrerin. Bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 1993 unterrichtete sie die Fächer Neuer Künstlerischer Tanz und Improvisation, über Jahrzehnte hinweg hat sie das Profil des Ausbildungsinstituts geprägt - allerdings mit Unterbrechungen. Die Geschichte der Schule liest sich wie ein Lehrstück über Kunst im Bereich politischer Macht. 1939 wurde die Lehranstalt von den Nazis geschlossen. Nach Kriegsende begann die Palucca wieder zu unterichten, 1949 wurde die Schule verstaatlicht - bald wurde auch in die Lehrpläne eingegriffen.

1953 unterbrach Gret Palucca zeitweise ihre Lehrtätigkeit aus Protest gegen die staatliche Bevormundung, bis der damalige Kulturminister der DDR, Johannes R. Becher, sie 1954 zur Künstlerischen Leiterin berief. Von 1957 an organisierte die Schule jährlich internationale Sommerkurse, damit festigte Palucca ihren Ruf als eine der bedeutendsten Tanzlehrerinnen des 20. Jahrhunderts.

Die Palucca Schule, die 1993 den Status einer Hochschule erhielt, vereint vier Diplomstudiengänge unter einem Dach: Bühnentanz, Choreographie, Bühnentanz- und Tanzpädagogik. Die Ausbildung legt viel Wert auf Vielseitigkeit. Auf dem Stundenplan steht neben Theorie-Fächern ein breites Spektrum: Moderner Tanz, Klassischer Tanz, Jazz, Folklore und Spanischer Tanz. "Seit ich tanze, improvisiere ich", bekannte die Palucca einmal.

Die Improvisation nimmt heute noch einen hohen Stellenwert ein an der Schule, schließlich sollen hier keine Nachahmer herangezüchtet werden, sondern Tänzer mit Mut zum eigenen Ausdruck. Generationen von Tänzern, Choreogaphen und Tanzpädagogen hat Palucca ausgebildet. Künstler wie die Opernregisseurin Ruth Bergmann und die Choreographen Tom Schilling, Birgit Scherzer, Stephan Toss oder Dietmar Seyffert sind aus ihrer Schule hervorgegangen. Nach ihrem Tod fehlte der Schule die Leitfigur, doch ihre Schüler halten den Geist der Palucca lebendig.

Nach der Wende blieben Irritationen und Probleme nicht aus, doch der Name ist heute noch ein Gütesiegel. Nachwuchssorgen plagen die Palucca Schule nicht. 185 Jungen und Mädchen absolvieren hier ihre schweißtreibende Ausbildung, den Maximen der Gründerin treu. "Das wichtigste Ziel besteht darin, unsere Studentinnen und Studenten zu eigenständigen, schöpferischen Persönlichkeiten auszubilden", sagt Rektor Enno Markwart. Die Konkurrenz ist freilich härter geworden - und so wird sich die Schule, die zahlreiche Veränderungen in ihren Zielen und Methoden durchlebte, weiterhin Gedanken über ihr Ausbildungsprofil machen müssen. Als Novum soll eine Ausbildung in Tanztherapie etabliert werden.

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