Gesundheit : Paragraf 1: Nicht ärgern lassen Anja Czeskleba, 20 Jahre,

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Anglistik? Soziologie? Kunstgeschichte? Anja schiebt sich die rosarote Brille in die blonden Kringellocken und sagt: Jura! Die Notebooktasche sucht man vergebens, ebenso die geschniegelte Karriereplanung. Die 20-Jährige ist noch „Frischling" an der Freien Universität. Seit drei Monaten ist sie dabei und will es auf jeden Fall bleiben. Der große Katzenjammer ist ausgeblieben, trotz der Warnungen: „Machen Sie sich darauf gefasst, von Ihrem Abiturdurchschnitt um einige Noten abzurutschen", kündigte ein Professor am ersten Tag an. Im Nachsatz: Ach, und ein großer Teil von Ihnen wird ohnehin durch die Prüfungen rasseln. Billige Tricks. Davon ließ sie sich nicht abschrecken, wäre ja gelacht. Anja fühlt sich wohl und hat viele Freunde gefunden. Massenuni? Kein Problem! „Alle sind super kontaktfreudig."

Frust: bisher unbekannt. Auch die trockene Theorie kriegte es (noch) nicht hin, ihr den Schneid und das Interesse abzukaufen, obwohl sie am Anfang dachte: „Wovon reden die Professoren eigentlich?" Inzwischen geht es, auch wenn sie deren Vortragskünste nicht sehr schätzt, um es milde auszudrücken. „In den Tutorien habe ich viel mehr gelernt, als in den Vorlesungen." Paragrafen, Juristenjargon und die Bücherliste hauten sie anfangs fast um, und nicht nur sie. Aber Anja ist Optimistin, sie sieht es locker. Die Bibliothek? Ach, wo war die noch mal? Die wirklich wichtigen Sachen hat sie aber schon gefunden. Die Mensa zum Beispiel. Die Zukunft ist noch weit weg. Was im nächsten Semester passiert? Sie lacht ihr breitestes Lachen und sagt: „Mal gucken."

Jetzt sind erstmal Ferien. Sie weiß noch nicht ob sie verreist, vielleicht arbeitet sie ein wenig. „Die Bücherei hat doch in den Ferien offen, oder?" Sie zwinkert: „Man muss wirklich alles vor- und nachbereiten", und ergänzt: „Aber ich war ganz schön faul." Darüber ärgert sie sich jetzt, aber ein bisschen nur. Im nächsten Semester wird dafür rangeklotzt. Ganz bestimmt. Dabei hat sie bisher nur befolgt, was ihr ein Professor geraten hat: „Machen Sie doch etwas Sport, vergnügen Sie sich, noch haben Sie Zeit dazu." jvm

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