Gesundheit : Patienten kritisieren Versorgung

Nur 16 Prozent zufrieden mit Gesundheitswesen

Rosemarie Stein

Das deutsche Gesundheitswesen muss von Grund auf verändert werden. Das meinen laut einer Befragung von 1474 chronisch Kranken oder kürzlich Operierten 31 Prozent. Nur 16 Prozent dieser Menschen sind mit unserem Versorgungssystem fast ganz zufrieden. Damit sind deutsche Patienten kritischer als solche anderer Länder, sagte Peter Sawicki, Leiter des Kölner „Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“, am Donnerstag in Berlin. Das Institut war federführend für den deutschen Teil einer vergleichenden Erhebung des Commonwealth Fund zur Qualität der Gesundheitsversorgung aus Patientensicht, an dem sich auch die USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Großbritannien beteiligen.

Besser als diese Länder schneidet Deutschland beim Zugang zur medizinischen Versorgung ab. Hier gaben die Patienten die kürzesten Wartezeiten an, ob es um Arzt- oder Operationstermine oder auch um eine Notfallbehandlung ging. Auch werden chronisch Kranke in Deutschland regelmäßiger untersucht als anderswo.

Defizite gibt es aber bei der Information und Kommunikation. Allerdings sind sie international. Fast zwei Drittel der deutschen Befragten gaben an, vom Arzt nicht immer über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten informiert und nach ihrer Meinung gefragt zu werden, 46 Prozent vermissten die Erläuterung der Behandlungsziele, 38 Prozent die Aufklärung über die Nebenwirkung von Medikamenten. Über Behandlungsfehler berichteten 19 Prozent (ähnlich wie in anderen Ländern).

Wer in Deutschland aus dem Krankenhaus entlassen wird, fühlt sich oft verlassen: Nur 39 Prozent erhielten Instruktionen (in anderen Ländern 58 bis 65 Prozent). Dass diese Erhebung nur solche Qualitätsmerkmale erfasst, die Patienten beurteilen können, zeigen einige Details: Zehn Prozent berichteten, sie hätten falsche Medikamente bekommen, gemeint sind aber nur Verwechslungen. 18 Prozent gaben an, Ärzte hätten überflüssige Untersuchungen angeordnet – als solche nur deshalb erkannt, weil sie schon anderswo stattgefunden hatten. Auf Überversorgung deuten die häufigeren Mehrfachtests bei Privatpatienten hin, die auch öfter operiert wurden als Kassenpatienten.

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