Patientensicherheit : Mit Blick fürs Ganze

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit erforscht Ursachen von Kunstfehlern im Krankenhaus.

Hedwig François-Kettner
OP-Klemme im Bauchraum. Auf diesem gestellten Röntgenbild wird demonstriert, was im Extremfall schief gehen kann im Krankenhaus.
OP-Klemme im Bauchraum. Auf diesem gestellten Röntgenbild wird demonstriert, was im Extremfall schief gehen kann im Krankenhaus.Foto: picture-alliance / dpa

„Primum nil nocere“ – zuallererst keinen Schaden zufügen. Dieser Grundsatz medizinischer Ethik zum Wohl der Patienten bestimmt das Handeln aller im Gesundheitswesen Tätigen. Fehler machen ist menschlich, nicht aus Fehlern lernen kann jedoch tödlich sein. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit jährlich zehn Millionen Menschen schwere körperliche Schäden davontragen oder sterben, weil die Gesundheitsversorgung nicht sicher genug ist. Bei bis zu jeder zehnten Krankenhausbehandlung wird ein Patient infolge eines vermeidbaren Ereignisses geschädigt und das auch in finanziell gut ausgestatteten und modernen Gesundheitssystemen.

Da die Situation in Deutschland nicht anders eingeschätzt wird, wurde im Jahr 2005 das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) als gemeinnütziger Verein gegründet. Das APS versteht sich als unabhängiges Netzwerk aller, die an einer sicheren Patientenversorgung interessiert sind, und hat sich zur Aufgabe gemacht, Methoden zur Verbesserung der Patientensicherheit zu entwickeln, zu erforschen und zu verbreiten.

Mittlerweile hat sich das Bündnis als wichtigste Organisation für die Förderung der Patientensicherheit in Deutschland etabliert. Mitglieder sind Mitarbeiter des Gesundheitswesens, Patienten sowie Institutionen der Gesundheitspolitik, -versorgung, -forschung und -wirtschaft. Im Interesse der Patientensicherheit legt das Netzwerk großen Wert darauf, unabhängig von staatlichem Einfluss und wirtschaftlichen Interessen zu sein.

Interprofessionelle Teams sind das Herzstück des Bündnisses

Ausgangspunkt des Aktionsbündnisses ist die Erkenntnis, dass individuelle Schuldzuweisung nicht das Problem der Behandlungsfehler löst. Deshalb versucht das APS das System der Versorgung als Ganzes zu analysieren, damit aus Fehlern gelernt und zukünftige Fehler vermieden werden können. Um dieses hehre Ziel zu erreichen, unterstützt das APS zahlreiche nationale und internationale Projekte der Forschung und zur Verbesserung der Patientensicherheit.

Herzstück des Bündnisses sind aber die durch ehrenamtliches Engagement getragenen Arbeitsgruppen, in denen Vertreter sämtlicher Gesundheitsberufe, Patienten, Leistungserbringer, Krankenkassen und Unternehmen der Gesundheitswirtschaft mitarbeiten.

Die interprofessionell besetzten Teams erstellen konkrete Handlungsempfehlungen für praxisrelevante Probleme der Patientensicherheit auf der Basis von internationaler Literatur und Forschungsergebnissen. Aber auch vielfältige praktische Erfahrungen fließen in die Handlungsempfehlungen hinein. So gibt es etwa Arbeitsgruppen zu den Themenbereichen Arzneimitteltherapiesicherheit, Behandlungsfehlerregister, Medizinprodukt-assoziierte Risiken oder Notfallversorgung.

Die Zukunft bringt neue Aufgaben in der Gesundheitspolitik

Die Handlungsempfehlungen für eine sichere Versorgung der Patienten werden zunehmend von Ärzten und Pflegekräften in die Praxis umgesetzt.

Mit dem Patientenrechtegesetz und einer veränderten Wahrnehmung des Themas in der Öffentlichkeit und im Gesundheitswesen selbst hat das Aktionsbündnis seit seinem Bestehen schon viel erreicht. Neben den konkreten Fragen und Problemen der Patientensicherheit wird es in der Zukunft verstärkt um die Bearbeitung von Querschnittsthemen gehen, wie zum Beispiel den Zusammenhang von sicherer Versorgung und Personalausstattung.

Weitere Herausforderungen bestehen in der Evaluation und Implementierung von Maßnahmen zum Ausbau der Patientensicherheit. Hier wird das APS zunehmend in der Gesundheitspolitik gefragt werden.

Die Autorin ist Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V.

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