Gesundheit : Pentagon: "Wir müssen ganz von vorne anfangen"

Bas Kast

Das Pentagon ist nicht nur das Hauptquartier der größten Militärmacht. Es galt auch als eines der sichersten Gebäude der Welt. Dennoch gelang es den Terroristen am Dienstag, die gekaperte Boeing 757 mit 58 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern an Bord direkt in eine der fünf Flanken des US-Militärzentrums zu stürzen. Grafik: Anschlag auf das Pentagon Das Pentagon ist Sitz des US-Verteidigungsministeriums, es ist die Kommandozentrale für Armee, Marine und Luftwaffe und befindet sich in Arlington bei Washington. Das Gebäude besteht aus fünf Ecken, fünf Stockwerken und fünf konzentrischen Mauern (siehe Infografik). Die Maschine schlug an der Flanke ein, an der sich der Hubschrauberlandeplatz befindet, zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk, und zwar "mit voller Kraft", wie US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld es beschrieb. Dabei drang das Flugzeug von außen bis auf drei der fünf konzentrischen Ringe des Gebäudes vor. Der Aufprall war so erschütternd, dass er noch im benachbarten Ort Crystal City die Häuser zum Beben brachte.

Der Zeitpunkt des Einschlags: 9 Uhr 30, als bereits viele der Mitarbeiter eingetroffen waren. Die genaue Zahl der Todesopfer ist noch unbekannt, es ist aber von bis zu 800 die Rede. Täglich arbeiten mehr als 23 000 Menschen in dem Gebäude.

Die Überraschungsattacke war der erste terroristische Anschlag in der Geschichte des Gebäudes, das 58 Jahre alt ist. Es wurde im Zweiten Weltkrieg gebaut. Im Januar 1943 war es nach nur 16 Monaten fertig gestellt: als Notlösung für das US-Verteidigungsministerium, das unter akuter Platznot litt. Die Korridore im Innern sind 17,5 Meilen lang - und trotzdem braucht man nicht mehr als sieben Minuten, um von einem beliebigen Punkt zum anderen zu gelangen.

Wie konnte ein Gebäude, das dazu gebaut wurde, terroristischen Attacken zu widerstehen, so empfindlich getroffen werden? Erst letztes Jahr wurde Schutzglas installiert, das einem Bombenanschlag widerstehen sollte. Die US-Ausgaben für Anti-Terrormaßnahmen schnellten von 78,5 Millionen 1993 auf über 300 Millionen Dollar im letzten Jahr. "Es wurden viele Schritte unternommen, die auf Lastwagenbomben und ähnliche Dinge zielten", sagt Ian Lesser, ein Sicherheitsexperte in Washington. Der Grund: 1993 war eine Bombe in einem Lieferwagen in der Parkgarage unter dem World Trade Center explodiert, 1995 explodierte ein mit Sprengstoff bestückter Lastwagen in einem Gebäude in Oklahoma City.

Konsequenterweise konzentrierten sich die Sicherheitsmaßnahmen auf Attacken "von unten". Ein Angriff aus der Luft galt als eher unwahrscheinlich. "Das zeigt, dass was immer wir gemacht haben der Vergangenheit angehören sollte", so das Fazit der demokratischen Kongressabgeordneten Eleanor Holmes Norton. "Wir müssen wieder ganz von vorne anfangen."

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