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Moderne Satzung und „Innovative Labs“: Die Technische Universität Berlin geht auf Reformkurs

Uwe Schlicht

Die Technische Universität Berlin will national und international wettbewerbsfähig werden – mit einer modernen Satzung und ihrem Antrag für die dritte Säule im Exzellenzwettbewerb. Kürzlich befürwortete das Konzil der TU einen Satzungsentwurf des Präsidenten Kurt Kutzler: Damit die Universität künftig schneller und autonomer agieren kann, sollen die Präsidenten an der Spitze der Hochschule und die Dekane an der Spitze der Fakultäten gestärkt werden. Das Kuratorium soll nicht mehr nach Art von Rundfunkräten mit Vertretern der Parteien und Interessengruppen besetzt werden, sondern mit herausragenden Repräsentanten aus Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.

Die TU ist in Berlin ein Nachzügler. Humboldt- und Freie Universität haben schon seit Ende der 90er Jahre Reformsatzungen. Wie sehr sich der politische Wind drehen kann, zeigte sich im Juni dieses Jahres, als im Kuratorium der TU der Entwurf des TU-Präsidenten Kutzler teilweise verändert wurde. Zwar scheiterte der Versuch von Teilen der linken TU-Fraktion, zusammen mit Wissenschaftssenator Thomas Flierl und dem PDS-Abgeordneten Benjamin Hoff im erweiterten Akademischen Senat die Viertelparität einzuführen. Das hätte bedeutet, dass Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, Studenten und Dienstkräfte über die gleiche Stimmenzahl verfügt hätten. Dennoch verloren die Linken ihr Ziel nicht aus den Augen, ein Mehr an Autonomie mit einer stärkeren inneren Demokratisierung zu begleiten. Sie versuchten nun, das Kuratorium für die Gesellschaft zu öffnen. „Arbeitgeber-, Arbeitnehmer-/Arbeitnehmerinnen-, Frauen- und Umweltbelange sowie Belange von Migranten und Migrantinnen“ sollten mehr Gewicht bekommen.

Die TU selber wünscht sich im Kuratorium andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Sie sollen mit dem Wissenschaftsbereich vertraut sein und dürfen weder Mitglieder des Senats noch der Verwaltung sein. Schließlich geht es im Kuratorium um so wichtige Fragen wie die Entwicklung der Universität, um Ausstattungspläne und den Haushaltsplan.

Im TU-Konzil plädierten die Linken jetzt erneut für die gesellschaftliche Öffnung, was die Konservativen und Liberalen wiederum ablehnten. Sie setzten sich in der Abstimmung zwar durch. Aber jetzt kommt die Reformsatzung in das Kuratorium alter Art zurück, das mit Funktionären, Politikern und Vertretern der TU und der Interessengruppen besetzt ist. Wird dort die neue Satzung abgelehnt, ist dieses Reform-Vorhaben gescheitert.

Unumstritten ist der hohe Einsatz der Universität im Exzellenzwettbewerb. Dass sich die TU auch um die „dritte Säule“, den Elitestatus, bewirbt, war nicht unbedingt zu erwarten. Von vornherein klar war: Die TU will Graduiertenschulen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und Forschungscluster beantragen. In der „dritten Säule“ geht es um die langfristige Verankerung von Zukunftsstrategien – und da wurde in Berlin nur mit Anträgen von HU und FU gerechnet.

Dabei kann die TU auf zwei Bereiche aufbauen, in denen sie bereits jetzt eine herausragende Position einnimmt: auf das Zentrum für Mathematik und das „European Center for Information und Communication Technologies at TU Berlin“, kurz EICT. Gründungsmitglieder dieses Innovationsnetzwerkes sind die Fraunhofer Gesellschaft, die Deutsche Telekom AG und die Siemens AG. Die Erweiterung um Daimler-Chrysler, Microsoft und Sun microsystems ist im Gespräch.

Auf diesem Netzwerk beruht auch der Plan, sich um den Status als Eliteuni zu bewerben. Die TU will die Dominanz der großen Forschungsinstitute durchbrechen und für die Universität wieder eine Führungsrolle in der Forschung zurückgewinnen – in Kooperation mit den außeruniversitären Instituten und den Unternehmen. Schon heute liefert die TU ihnen den wissenschaftlichen Nachwuchs. Darüber hinaus ermöglichen enge Kooperationen Einsparungen: Teure Maschinen oder Laboratorien müsste es nur an jeweils einem Ort geben. Außerdem kann eine Universität freier forschen, wenn sie ihre Ergebnisse nicht ängstlich vor der Konkurrenz der Firmen geheim halten muss. Und wegen der vielen Disziplinen unter einem Dach kann eine Universität ein Thema umfassender bearbeiten.

Es geht der TU darum, die ganze Wirkungskette von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung bis zur Fertigstellung marktreifer Produkte in den Blick zu nehmen. Ein Beispiel: Mit der Telekom als Partner wollen TU-Wissenschaftler ein Gerät entwickeln, das es Reisenden ermöglicht, mit Hilfe der Satellitentechnik unmittelbar nach seiner Ankunft in Berlin ein Taxi zu bestellen – und ein ganzes Netz von Dienstleistungen auszulösen. Dafür ist Grundlagenforschung über GPS (Orientierung über Satelliten) ebenso gefragt wie die angewandte Forschung. Designer, Betriebswirte, Ingenieure und Informatiker müssen an einem Strang ziehen, die Kundenbefragung muss organisiert werden. Das soll an „Innovative Labs“ der TU passieren. Diese Labors sind der Kern der Bewerbung um den Status als Eliteuni.

Die TU benennt in ihrem Wettbewerbsantrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den Wissenschaftsrat sechs Labs, darunter Mathematik, Chemie, Gestaltung von Lebensräumen, Informations- und Kommunikationstechnologien und Maschinenbau im Bereich der Strömungstechnik. Pro Laboratorium entsteht nach Schätzungen der TU ein Finanzbedarf zwischen 11 und 16 Millionen Euro. Bisher sind für Universitäten, die als Sieger aus dem Wettbewerb um die dritte Säule im Elitewettbewerb hervorgehen, Fördergelder in Höhe von jährlich insgesamt 21 Millionen Euro vorgesehen.

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