Gesundheit : Per Raumschiff zum Grammatik-Planeten - Einsatz neuer Medien

Annette Kögel

Das Spaceshuttle-Cockpit kann man gegen diese virtuelle Raumschiffwelt vergessen. Vom Pilotensitz aus sieht man unbekannte Planeten. Klick, mit der Computermaus geht es auf den da oben links. Zack, schon erscheint eine Message aus dem All auf dem Bildschirm. "Eine Verbindung aus Hauptsatz und Gliedsatz nennt man Satzgefüge." Mithilfe der neuen Medien wird selbst deutsche Grammatik spannend - darauf hoffen jedenfalls die Produzenten der aktuellen Cornelsen-Lernsoftware. Ob neue Medien oder pädagogisches Spielzeug: Auf der Bildungsmesse "Schultage Berlin-Brandenburg" finden Lehrer, Eltern und Erzieher alles rund um Schule und Schulung.

Die Zeiten, in denen ein Lehrer mit einem Overheadprojektor unterm Arm an der Spitze des pädagogischen Fortschritts voran eilte, gehören schon lange der Vergangenheit an. Heute werden etwa Biologiethemen vom Computer, Video oder aus dem Fernsehen per Spezialgerät auf eine Großbildleinwand projiziert. Zwischen 4000 und 12 000 Mark kostet das Gerät, sagt Verkäufer Lutz Rusch. Trotz allgemein beklagter Finanzengpässe habe er hier schon gut über die Landesbildstelle verkauft.

Künftig soll die multimediale Ausstattung der Berliner Schulen besser werden, kündigt Angelika Knubbertz, pädagogische Referentin von Schulsenator Klaus Böger an. Derzeit besitzen 80 Prozent aller Schulen zumindest einen Internet-Anschluss, bis zum Jahresende sollen alle damit ausgestattet sein. Damit wäre Berlin "Spitzenreiter in Deutschland", wie Markus Kuschela, Geschäftsstellenleiter von "CidS" (Computer in die Schulen) beim Landesschulamt sagt. Unterdessen kündigte Böger an, das Land werde gemeinsam mit der IHK, der Bankgesellschaft Berlin und der Telekom eine "CidS gGmbH" gründen - weitere Interessenten sind willkommen. Seine Ankündigung, fürs nächste Haushaltsjahr zusätzliche 100 Millionen Mark für die Medien-Bestückung der Schulen anzumelden, ging in lautstarkem Protest von Lehrern unter. Es gehe aber darum, dieses Thema "als klare Priorität der Gesellschaft zu verabreden", stärkte Brandenburg Bildungsminister Steffen Reiche seinem Kollegen den Rücken. Schulleiter Holger Leimbach von der Brüder-Grimm-Grundschule klagt über die veraltete Ausrüstung seiner Schule - pünktlich zur Pressekonferenz erhielt die Schule aber die Zusage zur Computerlieferung. Christina Santos aus der 6. Klasse der Weddinger Grundschule kennt sich besser mit der neuen Technik aus als manch Erwachsener. Gerade surft sie auf der Website der TV-Kindersendung "Schloss Einstein". Okay, im Unterricht würde sie mit dem Gerät "malen und schreiben". Malen? Ja, sagt Mitschülerin Fatma - aber noch zeichne sie lieber mit Stiften, weil das am Computer schwerer sei. Befürchtungen, den Kindern könnten sinnliche Erfahrungen verloren gehen, teilt die elfjährige Christina nicht. "Computer sind gut für Kinder, denen langweilig ist, weil sie keine Geschwister haben."

Auf der Messe gibt es auch allerlei zum Anfassen: Während der Vormittagsstunden drängten sich die Pädagogen (während eines Studientages, Frei- oder Fortbildungsstunden) an den Ständen der Schulbuchverlage. Deutschlandkarten ("abwischbar & extrem reißfest") werden ebenso ausgestellt wie Brot-für-die-Welt-Unterrichtsmaterialien und Technikwunderwerke aus Lego. Für Kinderärzte und Eltern ist der Open-Air-Teddy gedacht: Ihm kann man "Herz, Darm, Rippen" herausnehmen und mit "Früchtetee" am Arm Blut abnehmen. Unterdessen verkaufen Schülerinnen der Heinrich-Ferdinand-Eckert-Oberschule Kaffee, "damit wir Materialien anschaffen können". Selbst klassische Schultafeln werden noch angeboten. Jemand hat dort angeschrieben: "Kreide - so lange es sie noch gibt".

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