Gesundheit : Perinatalerhebung: Geburtensterblichkeit sinkt nur langsam

R. St.

Frauen bekommen ihre Kinder immer später im Leben. Das durchschnittliche Geburtsalter stieg von 1993 bis 1999 zum Beispiel im Westteil Berlins von 28 auf 30, im Ostteil von 26 auf 28 Jahre. Mit dem Alter der Mütter aber steigen die Risiken von Schwangerschaft und Geburt für Mutter und Kind. Die Ärztekammer Berlin legte gestern Ergebnisse der - seit 1994 von ihr ausgewerteten - Perinatalerhebung vor, Daten über Krankheit und Tod "um die Geburt herum" aus allen geburtshilflichen Klinikabteilungen Berlins. Sie werden gesammelt, ausgewertet und den Krankenhäusern anonymisiert mitgeteilt. Das heißt, weder Ärzte noch Schwangere erfahren, welche Kliniken besser und welche schlechter dastehen.

Jetzt wurden Daten aus dem letzten Jahrzehnt vorgelegt. Die perinatale Sterblichkeit betrug 1999 0,81 Prozent. Sie ist nur langsam gesunken. Die Gründe erläuterte Klaus Vetter, Chefarzt der Geburtsmedizin im Krankenhaus Neukölln und Vorsitzender der Perinatalkommission der Ärztekammer: Zum einen kommen Risikoschwangere aus dem Land Brandenburg zur Entbindung immer öfter nach Berlin. Hier gibt es Perinatalzentren mit Spezialstationen. Zum anderen haben, wie in ganz Deutschland, so auch in Berlin, die Mehrlingsgeburten zugenommen: von 1,3 Prozent 1933 auf 1,8 Prozent 1999. Als Hauptgrund nannte Vetter die künstliche Befruchtung.

Die Zahl der Kaiserschnitte ist in Berlin mit 15,4 Prozent (Deutschland: 17,4 Prozent) relativ niedrig und steigt sehr langsam. Dass die Schnittentbindungsrate der einzelnen Berliner Kliniken sehr verschieden ist, hängt mit der Konzentration Risikoschwangerer auf die Zentren zusammen; zumindest bei einer Privatklinik aber auch mit dem Geld: Die Fallpauschale für eine normale Geburt beträgt etwa 3000 Mark, für die Schnittentbindung etwa 5000 Mark.

Im Normalfall bleibt eine Gebärende heute drei Tage in der Klinik. In Berlin finden aber bis zu vier Prozent "ambulante Geburten" mit Klinikentlassung noch am selben Tag statt. Ist mit Hilfe einer Hebamme eine gute häusliche Versorgung gesichert, hat auch Joachim Dudenhausen (Charité) nichts dagegen. Mehr Bedenken hat er gegen die Hausgeburt. Jedoch begrüßte er das Verantwortungsbewusstsein bei den Berliner Geburtshäusern, die keine Risikoschwangeren aufnehmen und Gebärende bei Komplikationsverdacht verlegen. Nach Mitteilung von Erika Neumeyer (Koordinationsstelle der Geburtshäuser) beträgt die Verlegungsrate 14 Prozent.

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