Gesundheit : Pflegeversicherung soll angesichts 800 000 Betroffener angepasst werden

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Die Impfung gegen Alzheimer ist allerdings noch Zukunftsmusik, doch die Gesellschaft ist aufmerksamer gewordenaml

Unsere Gesellschaft ist in den letzten Jahren insgesamt ein wenig aufmerksamer geworden, meint Heike von Lützau-Hohlbein von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft. Nicht zuletzt diesem Dachverband regionaler Alzheimer-Gesellschaften und zahlreichen Selbsthilfegruppen ist es zu verdanken, wenn sich Unkenntnis und Voreingenommenheit in der Bevölkerung gegenüber dieser chronischen Erkrankung des Gehirns, die meist im höheren Lebensalter auftritt, allmählich verringern.

Unter der Schirmherrschaft von Familienministerin Christine Bergmann findet zurzeit im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin der 2. Kongress der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft statt. Auch in der Erforschung der Demenzerkrankung, von der in Deutschland heute 800 000 Menschen betroffen sind, gibt es Fortschritte, über die der Direktor der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der Technischen Universität München Hans Förstl berichtete: Man ist nicht nur mit molekularbiologischen Methoden genetischen Veränderungen auf die Schliche gekommen, die das Risiko einer Erkrankung erhöhen, sondern hat auch Schutzfaktoren ausmachen können. Zu ihnen gehört eine gute Ausbildung, geistige Aktivität und neben der Ernährung auch die konsequente Behandlung anderer Erkrankungen.

Auch die Bekämpfung der Krankheitssymptome selbst ist in den letzten Jahren effektiver geworden: Medikamente aus der Gruppe der Acetylcholinesterase-Hemmer zielen direkt auf die Botenstoffe im Gehirn. Symptome wie Antriebsmangel, Halluzinationen und Depressionen können ebenfalls mit Medikamenten gelindert werden. Für die Zukunft stehen entzündungshemmende Medikamente und Hormonbehandlungen in Aussicht.

Noch gibt es allerdings für die Alzheimer-Gesellschaft weit mehr Grund, sich mit den Defiziten zu beschäftigen. Sabine Tschainer, Diplom-Psychogerontologin und Vorsitzende der Gesellschaft, stellte deren Forderungen als "Grundzüge eines Versorgungskonzepts" vor: Die belastende und zeitintensive Betreuung von Demenzkranken durch Angehörige müsse in den Einstufungen der Pflegeversicherung gebührend berücksichtigt werden. Bisher orientierten sich diese noch zu stark an rein körperlichen Krankheitsbildern und Behinderungen.

Die "weißen Flecken" bei der Unterstützung der Angehörigen durch Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die es in ländlichen Regionen und in den neuen Bundesländern noch gibt, eine Großstadt wie Berlin ist hier privilegiert, sollen bald der Vergangenheit angehören. Das Geld dafür soll aus einem Topf kommen, während bisher sowohl Pflege- als auch Krankenversicherung zuständig sind. Die stationäre Altenhilfe soll vor allem durch ausreichend vorhandenes und qualifiziertes Personal für das wachsende Problem Demenz gerüstet werden.

Bundesfamilienministerin Christine Bergmann versprach "Schritte zur Qualitätssicherung" durch die bundeseinheitliche Neuordnung der Altenpflege-Ausbildung und die vorgesehene Novellierung des Heimgesetzes. Die Betreuung zu Hause soll ein "Ambulante-Dienste-Gesetz" verbessern.
© 1999

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