Gesundheit : Philosophen an die Macht

U.S./H.S.

Am Dienstag wird der Berliner Senat über die Besetzung der noch offenen Stelle für den Wissenschaftsstaatssekretär entscheiden. Im Gespräch ist Peer Pasternack, Forschungsdirektor am Institut für Hochschulforschung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Pasternack wurde 1963 in Köthen in der DDR geboren, schloss zunächst eine Ausbildung als Fahrzeugschlosser ab und machte nebenbei das Abitur. Von 1987 bis 1994 studierte er an der Philosophischen Fakultät der damaligen Karl-Marx-Universität in Leipzig. Nach der Wende wurde er Stipendiat der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

In der Wendezeit hatte sich Pasternack als Studentensprecher an der Leipziger Universität engagiert. Unter den Sprechern der verschiedenen Hochschulen und Universitäten Sachsens galt er als linker Theoretiker, der sein politisches Handeln stets auch intellektuell zu untersetzen suchte. Seine Visionen waren im politischen Alltag aber nicht immer umzusetzen. Während der Debatten zum ersten Hochschulgesetz des Freistaates suchte Pasternack trotz seiner oppositionellen Haltung zur CDU-geführten Landesregierung den Kompromiss und ließ sich kaum von ideologischen Barrieren hindern.

Im Winter 1990 verfügte Sachsens Kabinett die Abwicklung aller ideologisch belasteten Fakultäten und Institute, darunter auch der Philosophie an der Universität Leipzig. Pasternack setzte sich an die Spitze der Leipziger Studentenproteste und war maßgeblich daran beteiligt, dass der Wiederaufbau der abgewickelten Fächer später zügig vonstatten ging. In dieser Zeit war er nicht nur Sprecher der sächsischen Studentenvertretungen und der ostdeutschen Konferenz der Studentenvertretungen - er wirkte bis 1995 auch im Akademischen Senat der Universität Leipzig mit.

Nach seiner Promotion beim Oldenburger Universitätspräsidenten Michael Daxner qualifizierte er sich weiter in der Hochschulforschung und in der Wissenschaftsgeschichte der DDR. Seit 1991 ist er auch Herausgeber einer einschlägigen Fachzeitschrift, die zunächst den Titel "hochschule ost" hatte und jetzt "die hochschule" heißt.

In der DDR war Pasternack bis 1989 Mitglied der marxistischen Jugendorganisation FDJ und des linientreuen Gewerkschaftsbundes FDGB. Nach der Wende trat er in die GEW ein und 1997 in den Bund demokratischer Wissenschaftler. Seit 1999 ist er Mitglied von Amnesty international.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben