Gesundheit : Piano der Gefühle

Studenten im Steinway-Wettbewerb

Carsten Niemann

Ob So Young-Lee wohl nervös ist? Wenn, dann sieht man es der jungen Pianistin nicht an. Freundlich und geduldig lässt sich die zarte Frau von den Fotografen ablichten – und soll doch wenige Minuten später das mit gespitzten Ohren wartende Publikum mit den unterschiedlichsten Emotionen erfüllen: Emotionen, die von der morgenfrischen Laune in Bachs Italienischem Konzert über die „innigste Empfindung” eines Beethovenschen Sonatensatzes reichen und zuletzt gar in dem „einzigen Herzensschrei” münden sollen, als den Schumann seine erste Klaviersonate verstand. Ort des Geschehens: das Steinway-Haus in Berlin-Charlottenburg. Der Anlass: das erste von sechs Förderpreiskonzerten der Saison 2003, welche das Haus in der Hardenbergstraße im Jahr des 150. Steinway-Jubiläums gemeinsam mit den Fachbereichen Klavier der Hochschule für Musik „Hanns Eisler” sowie der Universität der Künste veranstaltet.

Die kleine Szene zeigt: um den Herausforderungen des Lebens als Konzertpianist gewachsen zu sein, muss man nicht allein das Virtuosenhandwerk gelernt haben, es bedarf auch ein gehöriges Maß an Erfahrung mit den Fährnissen des Konzertbetriebs. Fortgeschrittenen Studenten die Möglichkeit zu geben, genau diese kostbaren Erfahrungen zu erwerben, ist daher auch das wichtigste Ziel des Wettbewerbs, erläutern der Leiter des Steinway-Hauses, Dirk Augustat, sowie Gabriele Kupfernagel, die als Klavierprofessorin von der Hanns-Eisler-Hochschule dieses Jahr die Jury koordiniert. Der Wettbewerb wird spannend. Das liegt nicht nur am Knock-out-Verfahren, sondern auch am neuen Jurymodell, nach dem die seit neun Jahren existierende Reihe 2002 neu organisiert wurde. Jeweils drei ausgewählte Studenten einer Musikhochschule wetteifern hochschulintern um einen der mit 1000 Euro dotierten Preise sowie die Auftrittsmöglichkeit beim gemeinsamem Abschlusskonzert im Oktober. Doch werden sie dabei von Jurymitgliedern der jeweils anderen Hochschule beurteilt. Für Gabriele Kupfernagel ein ideales Modell, wie die unter Einsparungsdruck stehenden Sparten gemeinsam auftreten können, ohne den Ehrgeiz aufzugeben, der Bessere zu sein. Und dabei auch den kollegialen Austausch zu pflegen: „Unsere eigenen Studenten kennen wir ja – aber als Kollegen hören wir doch mit anderen Ohren.“

Weitere Förderkonzerte: 14. und 15. Mai, 11. und 12. Juni, 20 Uhr im Steinway-Haus (Voranmeldung erforderlich unter 315 73 114).

0 Kommentare

Neuester Kommentar