Gesundheit : Plan und Spar

Jede Berliner Uni weiß jetzt, wie viel sie kürzen muss. Die Technische Universität protestiert

Anja Kühne

Berlins Universitäten können ihrer Zukunft jetzt ins Auge sehen. Am Donnerstag hat Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) jeder einzelnen mitgeteilt, welche Einsparungen auf sie zukommen. Das Ergebnis: Die Bürde wird im wesentlichen gleichmäßig verteilt. Jede Uni muss eine Summe in proportionaler Höhe zu ihrem Staatszuschuss schultern. Auf die Technische Universität (TU) entfallen 29,3 Millionen Euro, auf die Humboldt-Universität (HU) 22,8 Millionen Euro, auf die Freie Universität (FU) 22,9 Millionen Euro. Einen ausgleichenden Transfer zwischen den Unis gibt es allerdings bei der Berechnung von bestimmten Be- und Entlastungen wie bei den hohen Pensionen der FU und deren Botanischen Garten oder dem Naturkundemuseum der HU.

Auf diese Entscheidung des Senators hatten sich die Universitäten schon seit einiger Zeit eingestellt. HU-Präsident Jürgen Mlynek bezeichnete es als fair, die Lasten für die Pensionen auf alle gleichmäßig zu verteilen. Mlynek und Dieter Lenzen, der Präsident der FU, kritisieren aber, die Fachhochschulen erbrächten keinen Sparbeitrag. Stattdessen beharre der Wissenschaftssenator darauf, dass die Unis außerdem für den Ausbau der Fachhochschulen zahlen müssen (1,7 Millionen Euro pro Jahr). Auf dieses Geld müssen die Universitäten zuzätzlich zu den 75 Millionen Euro verzichten, um die der Zuschuss vom Staat bis zum Jahr 2009 abgesenkt wird.

„Mit dem Rasenmäher“

FU-Präsident Lenzen hat sich noch am Donnerstag mit den Dekanen der Uni getroffen, um mit dem Planen zu beginnen. Er geht davon aus, dass die Sparsumme für seine Uni damit endgültig feststeht, und . An der TU dagegen hofft man noch auf Änderungen seitens der Politik. TU-Präsident Kurt Kutzler hatte eine gleichmäßige Verteilung der Sparlast von Anfang an für nicht akzeptabel gehalten. Er wirft der Politik vor, „mit dem Rasenmäher“ vorgegangen zu sein, anstatt für die Stadt zu entscheiden, ob sie „ihre Prioritäten eher in den Geistes- oder aber in den Naturwissenschaften setzt“.

Jetzt sieht Kutzler massive Einschnitte auf technische Studiengänge zukommen, die in Berlin einzigartig seien. Denn die Geistes- und Erziehungswissenschaften der TU seien von einem „Schutzschild“ umgeben. Schließlich woll das Land die Zahl der Studienplätze in der Lehrerausbildung erhalten. Hier kann die Uni also kaum sparen. Weil betriebsbedingte Kündigungen zumindest bis 2004 nicht möglich seien, werde die TU keine einzige frei werdende Professur mehr besetzen können, sagte Kutzler.

Brigitte Reich, die Referentin in der Wissenschaftsverwaltung sagte, die Unis sollten nach dem Willen des Senators keineswegs nur in ihrem wissenschaftlichen Bereich sparen, sondern gerade auch in der Verwaltung. Nur so könnten Studienplätze gesichert werden. Die ganze Hochschullandschaft müsse jetzt über Kooperationen nachdenken. So sei es möglich, dass in bestimmten Fächern die Fachhochschulen einen Bachelor-Abschluss anbieten, die TU dann aber den dazugehörenden Masterabschluss. Entsprechend könnten FU und HU in den Kulturwissenschaften kooperieren.

Wenn die Unis Doppelangebote abbauen, könnten auch Professoren von einer an die andere Uni versetzt werden. Die Politik will die Unis bei ihrer Abstimmung in einer „Konsultationsgruppe“ begleiten. Ihr sollen Reich zufolge die Vorsitzenden der Uni-Kuratorien sowie die wissenschaftspolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen angehören. Bis Ende Juni müssen die Unis der Politik ihre Pläne vorgelegt haben. Im Herbst könnten die neuen Hochschulverträge dann im Parlament verabschiedet werden, sagte Reich.

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