Gesundheit : Pocken: Tot, blind, vernarbt: Die schlimmen Folgen der Pocken - jeder Fünfte starb

H. F.

Wie keine andere Infektionskrankheit haben die Pocken Seuchengeschichte geschrieben. Im Mittelalter gingen in den typischen "Pockenjahren" 10 Prozent aller Todesfälle auf das Konto dieser Geißel. Bei Epidemien mußte jeder fünfte Pockenkranke die Variola mit dem Leben bezahlen. Aber auch die Überlebenden waren häufig bis an ihr Lebensende gezeichnet: 65 bis 80 Prozent behielten die unverwechselbare pockennarbige Haut, die häufig einer sozialen Stigmatisierung gleichkam. Oder sie waren auf beiden Augen blind und damit zu einem lebenslangen Almosenempfänger degradiert.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als ein zuverlässiger Pockenimpfstoff erstmals routinemäßig eingesetzt wurde, war etwa ein Zehntel der Menschheit den Pocken zum Opfer gefallen, durch die Krankheit auf Dauer verunstaltet oder durch doppelseitige Blindheit Invalide. Noch 1950 starben in Indien etwa eine Million Menschen an der Virusinfektion. Und selbst 1967, zu Beginn der internationalen Ausrottungskampagne, waren immerhin 60 Prozent der Weltbevölkerung dauernd von Pocken bedroht.

Das Variola-Virus kann sich nur in Menschen vermehren. Und schließlich stand seit langem ein ausgezeichneter Impfstoff zur Verfügung, der einen zuverlässigen, langdauernden Schutz garantierte.

Der Kampf gegen die Pocken verlief erfolgreich. Bereits 1970 waren West- und Zentralafrika pockenfrei, 1971 folgte Südamerika und 1975 Südostasien. 1977 wurde der letzte Pockenfall in Somalia entdeckt. 1980 galten die Pocken als ausgerottet. Von diesem Augenblick überlebte das Virus nur noch in flüssigem Stickstoff im Hochsicherheitstrakt einiger Forschungslabors.

1982 lief die letzte Lizenz zur Herstellung eines Pockenimpfstoffs für ein amerikanisches Pharmaunternehmen aus. Ab 1983 wurde nirgendwo in der Welt mehr Pockenimpfstoff an zivile Personen ausgegeben und seit 1990 verzichteten die USA auf die Impfung ihrer Soldaten gegen das Variola-Virus.

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