Gesundheit : Polens Schüler sollen Uniform tragen

Knut Krohn

Für die Schüler in Polen wird in Zukunft das Leben leichter. Ab dem kommenden Schuljahr müssen sie sich nicht mehr jeden Tag den Kopf darüber zerbrechen, was sie anziehen: Sie werden eine einheitliche Schuluniform tragen. So hat es jüngst das Parlament in Warschau beschlossen. Damit liegen die Politiker im Trend, denn neusten Umfragen zufolge befürworten fast 60 Prozent der Polen die Uniformpflicht. Nur etwa ein Drittel der Befragten ist strickt dagegen. Dass weitaus mehr Frauen als Männer das Tragen einer Einheitstracht befürworten, lässt erahnen, wer den morgendlichen Kampf um den angemessenen Kleidungsstil mit dem Nachwuchs führt.

An wenigen polnischen Schulen wurden bereits Schuluniformen eingeführt. Doch erst auf Initiative von Bildungsminister Roman Giertych werden sie nun von September an landesweit getragen und die „Modenschauen“ an den Schulen beenden. Allerdings werden Lehrer und Eltern an jeder Einrichtung selbst entscheiden können, was sie noch als Schuluniform durchgehen lassen. Zwischen einheitlich weißem T-Shirt und Anzug mit Schlips ist also alles drin. Und wer es sich nicht leisten kann, sein Kind neu einzukleiden, soll sich bei Giertych melden. „Wir haben Mittel zum Kauf von einigen tausend Kleidungsstücken eingeplant“, verspricht der Politiker.

Wirklich zufrieden dürfte der Bildungsminister nach der Abstimmung im Parlament aber dennoch nicht gewesen sein. Denn eingebracht hatte er im Sejm eigentlich ein umfassendes und fundamentales Reformvorhaben. Davon übrig geblieben sind im Grunde lediglich die Schuluniformen. Das ist auch der Grund, weshalb sich Giertychs Kritiker überraschend zurückhalten. Das Ziel des Ministers war es eigentlich, die Selbstverwaltung der Schulen grundsätzlich zu untergraben, um mehr Einfluss auf Unterricht und Personalpolitik zu bekommen. Doch das wurde abgewehrt. Die einzelnen Schulen dürfen auch in Zukunft ihre Direktoren frei bestimmen und selbst über die Auswahl der Lehrbücher entscheiden.

Vor allem die Bücherfrage hatte zu heißen Auseinandersetzungen geführt. Roman Giertychs wollte in Zukunft nur noch ein Lehrbuch pro Fach und Jahrgangsstufe zulassen – festgelegt von seinem Ministerium. Diese Vorstellung ließ vor allem den Intellektuellen in Polen das Blut in den Adern gefrieren. Was für ein Geschichtsbuch etwa würde ein Mann den Schülern vorsetzen, der als rechtsnational, zutiefst konservativ und erzkatholisch gilt? Schließlich hat Giertych das Fach patriotische Erziehung in den Lehrplan aufgenommen und wettert gegen die Evolutionstheorie. Doch die Gefahr ist gebannt, es bleibt nun doch weitgehend alles beim Alten – dafür nimmt man auch die Schuluniformen in Kauf.

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