Gesundheit : „Politiker dienen nur sich selbst“ Wie sich Jugendliche gesellschaftlich engagieren

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„Eine Gesellschaft sollte wie eine Homepage aufgebaut werden, dann wäre sie bunt, basisdemokratisch, menschen- und tierfreundlich.“ Juliet ist 17 Jahre alt und engagiert sich seit ihrem 13. Lebensjahr aktiv in der Umweltpolitik. Sie leitet eine Jugendgruppe in Heilbronn, die sie selbst gegründet hat, und ist im Beirat der Jugendgruppen von Greenpeace überregional aktiv. „Es wird wahnsinnig viel kaputt gemacht, und es geht einfach immer auf die Kappe von irgendwelchen Armen oder Tieren oder Pflanzen, die sich nicht wehren können, und die reichen Konzerne stecken immer nur das Geld ein.“ Ihre Wut setzt Juliet in Aktionen um. Sie hat für die Jugendgruppe eine Mailingliste erstellt und beteiligt sich durch Beiträge im Internetforum. Juliet ist eine von fünf gesellschaftlich engagierten Jugendlichen, die im Anhang der Shell-Studie porträtiert werden.

Das Internet ist auch für Urs das geeignete Mittel, sich politisch zu engagieren. Er ist im Internetportal „democracy online“ aktiv, weil ihn die Möglichkeit fasziniert, ohne großen Zeitaufwand die Politik der realen Parteien zu beeinflussen, die seiner Meinung nach gewillt sind, die Vorschläge aus dem Internetforum aufzugreifen. „Mit der Politik in Deutschland bin ich nicht einverstanden, da Politiker nur ihrem eigenen Interesse dienen, und das ist vor allem ihre Wiederwahl.“ Er würde sich mehr von wirtschaftlich unabhängigen Personen versprechen. Obwohl der 19-Jährige im Bundesarbeitskreis Wirtschaft und Finanzen aktiv mitmacht, möchte er nicht Berufspolitiker werden.

Für Lea aus Bremen ist Politik dagegen mehr als ein Hobby. Die 16-jährige Gymnasiastin ist als Schülervertreterin tätig, Mitglied im Vorstand der Gesamtschülervertretung und arbeitet in der Bremer Attac-Gruppe mit, die Anfang des Jahres gegründet wurde. „Ich guck mir Attac immer noch so ein bisschen an. Sicherlich hab ich auch Kritik an Attac, sehe aber auch eine Chance, was zu bewegen. Die Strukturen sind noch nicht so festgefahren wie in einer Partei.“ In ihrer Traumgesellschaft wünscht sich Lea, „dass man Leute abwählen kann, dass man nicht Leuten vier Jahre lang einen Freibrief in die Hand drückt und dann sagt, macht mal, und kann nichts dran ändern“.

Robert (21) begann vor sieben Jahren, sich für Politik zu interessieren. Das Parteiprogramm der Republikaner entsprach am ehesten seinen Vorstellungen. Besonders am Herzen liegt Robert die Bildungspolitik. „Ich mach Interessenvertretung für Schüler- und Berufsschüler. Das ist jetzt momentan die einzige Schiene, die die Rechten fahren können, um halt auf bürgerlicher Schiene einzusteigen. Wenn man so sieht, was die Deutschen, und das hat ja nun gerade die Pisa-Studie bewiesen, an Allgemeinbildung haben, das ist ja wohl ein Witz, eine Krankheit.“ ise

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