Gesundheit : Porträtiert: Frischer Wind

Uwe Schlicht

"Ich bin für die Rolle eines Frühstücksdirektors ungeeignet. Wenn ich etwas mache, dann will ich mich einmischen." Das sagt der neue Vorsitzende des Kuratoriums der Freien Universität, Hans-Uwe Erichsen. Sein Wort hat Gewicht, denn Erichsen war von 1990 bis 1997 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, leitete bis 1999 als Präsident die Vereinigung der Hochschulrektoren der Europäischen Union, hat die Expertenkommission zur Neuordnung der Hochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen geleitet, und er wirkt im Akkreditierungsrat mit, der die Rahmenvorgaben für die Genehmigung der Bachelor- und Master-Studiengänge festlegt. Als Vorsitzender des FU-Kuratoriums löst er Wolfgang Frühwald ab, den früheren Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der aus Gesundheitsgründen das Amt abgegeben hat.

Erichsen will sich für die Freie Universität engagieren, weil er beobachtet hat, dass die FU immer noch im Schatten der Humboldt-Universität steht, obwohl sie das nicht verdient hat. "Ich will mit dazu beitragen, dass die Freie Universität eine unverwechselbare Position in Berlin erhält". Dabei geht es ihm auch um die Einbindung der FU in die Hochschullandschaft von Berlin und Brandenburg.

Dazu ist das Kuratorium neuer Art das richtige Gremium, wirken in ihm doch Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft mit, wie die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, der ehemalige Vorsitzende der IG-Chemie, Hermann Rappe, und neuerdings der ehemalige Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Karl-Heinz Hoffmann. Mit Kleinkram soll sich das Kuratorium nicht beschäftigen, wohl aber mit den großen strategischen Fragen der Hochschulentwicklung. Weil das Kuratorium über den Haushalt entscheidet, will Erichsen die Haushaltsberatungen zum Anlass nehmen, sehr genau hinzusehen, ob die Prioritäten bei der Finanzausstattung ihren Niederschlag finden. Deswegen legt der neue Kuratoriumsvorsitzende auch Wert darauf, in regelmäßigen Gedankenaustausch mit dem Akademischen Senat zu treten, der ebenfalls eigene Ideen für das Profil entwickelt. Deswegen nur die Vorlagen abzuarbeiten, die vom Akademischen Senat und dem Präsidenten dem Kuratorium vorgelegt werden - das sieht Erichsen nicht als die Aufgabe des Kuratoriums an. Er will sich selbst in die Formulierung der Vorlagen einmischen.

Und da wir in einer Mediengesellschaft leben, heißt Erichsens Motto: "Es reicht nicht, gut zu sein, man muss auch darüber reden." Das hat eine doppelte Konsequenz: Es ist Schluss mit den Sitzungen des Kuratoriums hinter verschlossenen Türen. Die Sitzungen werden öffentlich. Erichsen wird auch den Kontakt zum Regierenden Bürgermeister, dem Wissenschaftssenator und zu den Fraktionsvorsitzenden des Abgeordnetenhauses suchen. Mit Informationen die Klischees über die Hochschulen abbauen - darum geht es.

Weil sich das Kuratorium einmischen soll, wird es Erichsen auch nicht mit vier Sitzungen im Jahr bewenden lassen. Sollten es die aktuellen Entwicklungen erfordern, will er Sondersitzungen einberufen - zum Beispiel wenn die Hochschulverträge gebrochen werden sollten. Für den Fall, dass die neue Koalition das FU-Klinikum Benjamin Franklin in ein städtisches Krankenhaus umwandeln will, forderte der Jurist Erichsen den FU-Präsidenten zur Klage vor dem Verwaltungsgericht auf. Erichsen wird für frischen Wind sorgen.

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