Gesundheit : Postraub wird zur Legende: Gentleman-Gangster mit Knüppeln

Ingo Bach

Heute vor 37 Jahren, am 8. August 1963, schrieben Posträuber in England Kriminalgeschichte - und einer von ihnen macht aus seinem Leben eine Legende. Ronald Biggs (es war sein 34. Geburtstag) und 15 weitere Männer überfielen einen Postzug der Royal Mail, der unter anderem auch Bargeld von Glasgow nach London transportierte. Der Zug hatte eine Rekordsumme an Bord, allein die Beute betrug 2,6 Millionen Pfund, nach heutigem Wert etwa 30 Millionen Dollar.

Der Überfall war monatelang geplant worden, seine Ausführung präzise und - relativ - gewaltlos. Es war 3 Uhr 15 in der Nacht, 50 Kilometer vor London. Mit einer roten Haltelampe stoppten die Räuber den Zug. Sie hatten nur Knüppel dabei. Der Zugführer wurde mit einem Schlag auf den Kopf betäubt, als er den Anweisungen der Gangster nicht folgen wollte. Die hinteren Waggons, in denen sich 75 Passagiere befanden, wurden von den vorderen Wagen mit der Fracht und dem Triebwagen abgekoppelt. Wenig später luden die Diebe die Postsäcke auf einen Lkw um und flohen.

Die Freude über den erfolgreichen Coup währte allerdings nur kurz. Im Versteck der Bande fand die Polizei Fingerabdrücke der Täter. Noch 1963 saßen die meisten Mitglieder der Bande in Untersuchungshaft, unter ihnen Ronald Biggs, der später zur personifizierten Legende des bis dato spektakulärsten Postzugraubes werden sollte. Er wurde zur Höchststrafe von 30 Jahren verurteilt.

Doch schon nach 15 Monaten gelang Biggs der Ausbruch. Seine Flucht-Odyssee - Scotland Yard und Kopfgeldjäger waren ihm immer dicht auf den Fersen -führte ihn über Paris und Australien bis nach Brasilien, wo er noch heute lebt.

Mehrfach wurde der legendäre Postraub verfilmt, unter anderem in Deutschland mit Horst "Derrick" Tappert in der Hauptrolle. Und die Legende wirkt auch heute noch nach. Biggs bringt sich und seine Familie über die Runden, in dem er sich selbst vermarktet. Er lädt - zahlende - Touristen zum Dinner und erzählt ihnen sein Leben. Die Millionenbeute sei längst durchgebracht, erzählt er: für seine Anwälte und die Gesichtschirurgen.

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