Gesundheit : Prionen als Auslöser von BSE Forscher finden den allerletzten Beweis – fast

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Wissenschaftler haben erneut Hinweise darauf gefunden, dass der Rinderwahnsinn BSE, die CreutzfeldtJakob-Krankheit des Menschen und die Schafkrankheit Scrapie ausschließlich durch „ansteckende“ Eiweißmoleküle (Prionen) ausgelöst wird. Claudio Soto von der Universität von Texas und seinen Mitarbeitern gelang es, Prionen im Reagenzglas zu züchten und mit ihnen Hamster zu infizieren, wie sie im Fachblatt „Cell“ berichten.

Die Forscher benutzten für ihren Versuch Hirngewebe von Hamstern, die an Scrapie erkrankt waren. Das erregerhaltige Material wurde mit dem Hirngewebe gesunder Hamster zusammengebracht und dabei Schritt für Schritt so weit verdünnt, dass am Ende praktisch kein Ausgangsmaterial mehr vorhanden war. Trotzdem war Prionprotein nachweisbar, das auch infektiös war.

Das krankmachende Eiweiß hatte sich also vermehrt, indem es intaktes (gesundes) Prionprotein in krankes umwandelte, das sich seinerseits wie in einer Kettenreaktion verfielfältigte. Wie das kranke Eiweiß dem gesunden seine Form aufzwingt, ist noch nicht geklärt. In einem zweiten Schritt lagern sich im Gehirn die Prionproteinen zu Eiweißmüll (Amyloid) zusammen.

Ein letztgültiger Beweis für die „Nur- Prion“-Hypothese ist jedoch auch diese Studie nicht. Denn es ist nicht auszuschließen, dass mit dem Prion-Eiweiß zusammen auch ein unbekannter anderer Stoff vermehrt wurde, zum Beispiel das Erbmolekül RNS. 2004 war es im Labor des Amerikaners Stanley Prusiner gelungen, bei Mäusen eine Prion-Erkrankung auszulösen, denen man biotechnisch hergestellte Prionen gespritzt hatte. Allerdings waren diese Tiere ihrerseits von Natur aus besonders anfällig für die Krankheit, weshalb auch diese Studie nicht den letzten Zweifler überzeugte. „Beide Untersuchungen unterstützen die Prion-Hypothese massiv“, sagte der BSE- Experte Michael Baier vom Berliner Robert-Koch-Institut dem Tagesspiegel.

Die Zahl der Opfer durch die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD) in Großbritannien – sie wurde vermutlich durch Rinder-BSE ausgelöst – ist unterdessen weiter rückläufig. Im Jahr 2000 starben 28 Briten an vCJD, 2004 waren es nur noch neun, 2005 bislang erst einer. In Deutschland sind bislang keine Fälle bekannt geworden. wez

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