Gesundheit : Problematische Lücke

Kongress: Dramatischer Mangel an Psychiatern

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Es dürfte in den nächsten Jahren immer schwieriger werden, Patienten mit psychischen Erkrankungen zu behandeln. Diese Sorge äußerten Experten auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Das Großtreffen deutschsprachiger Psychiater und Nervenärzte begann am gestrigen Mittwoch in Berlin mit einer Rekordzahl von 5500 Teilnehmern. 650 von ihnen kommen aus Österreich und der Schweiz.

„Ein niedergelassener Psychiater hat 18 000 Patienten zu versorgen“, sagte Christa Roth-Sackheim aus Andernach, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater. Gebraucht würden aber dreimal so viele Spezialisten. 11 000 Psychiater arbeiten heute in Deutschland, 6000 davon in Facharztpraxen.

Besonders spürbar werde der Mangel bei der Versorgung junger Patienten, ergänzte Michael Schulte-Markwort aus Hamburg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Für diese Zielgruppe gibt es insgesamt nur 640 niedergelassene Fachärzte. Mit einem eigenen Schülerkongress, der gestern im ICC stattfand und zu dem 1000 Berliner Schülerinnen und Schüler eingeladen waren, haben sich die Kongress-Organisatoren die Aufklärung und Vorbeugung auf die Fahnen geschrieben.

Neben der Früherkennung der Schizophrenie standen auch die Themen synthetische Drogen und Gewalt auf dem Programm. „Wir konfrontieren die Jugendlichen damit, dass sie extreme psychische Risiken auf sich nehmen, wenn sie Drogen wie Ecstasy konsumieren“, sagte Schulte-Markwort.

Neben den Jungen wird sich der Kongress auch der seelischen Gesundheit der Hochbetagten widmen. Zahlreiche wissenschaftliche Vorträge widmen sich den Alterungsprozessen des Gehirns und versuchen dabei, dem Unterschied zwischen „gesundem“ und „krankhaftem“ Altern auf die Schliche zu kommen.

Außerdem geht es darum, wie altersgerechte Therapie mit Medikamenten gestaltet werden sollte. „Wir werden aber auch darüber sprechen, welche Probleme sich stellen, wenn ein blutjunger Psychotherapeut einen alten Menschen behandelt, der sehr viel mehr Lebenserfahrung hat“, sagte Hohenhagen.

Andere Erfahrungen als die Fachleute bringen auch die Vertreter von Patienten und Angehörigen mit, die sich auch dieses Jahr wieder während des Kongresses beim „Trialog Forum Psychiatrie“ mit den Psychiatern austauschen werden. Dabei geht es auch um das heikle Thema „Zwangsbehandlung und Freiheitsrechte“. aml

Öffentliche Veranstaltungen mit Experten und Publikumsfragen im Rahmen des Kongresses: Wieso, weshalb, warum? Gewalt bei Jugendlichen. Termin: Donnerstag 19.30 bis 21 Uhr in der Urania.

Wenn das Gehirn altert. Gibt es psychische Gesundheit im Alter? Termin: Freitag 19.30 bis 21 Uhr, Urania.

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