PROF. TSOKOS ermittelt : TV-Serien werden Realität

Von Michael Tsokos

Michael Tsokos

Seit gut sechs Wochen verfügt die Berliner Rechtsmedizin über einen Computertomografen. Unlängst ist das von mir in dieser Kolumne noch als Zukunftsmusik besungen worden. Die Anschaffung war nicht zuletzt eine Kostenfrage, für ein gebrauchtes Gerät werden immer noch mehrere hunderttausend Euro verlangt. Durch das Leasing eines Neugerätes konnten die anfallenden Kosten im Rahmen gehalten und auf mehrere Jahre verteilt werden.

Das Gerät ist für uns von enormem Nutzen. Da wir ausschließlich Verstorbene untersuchen, arbeiten wir mit ganz anderen Strahlendosen als bei Lebenden. Mit den hochauflösenden Bildern aus dem Computertomografen lassen sich zum Beispiel Verletzungen in Form von 3-D-Animationen rekonstruieren. Der „gläserne Tote“, wie wir ihn aus unzähligen Folgen der Fernsehserie „CSI“ kennen, ist nun auch in Berlin Wirklichkeit geworden.

Der Erwerb des Computertomografen ist aber nur einer von vielen Schritten in Richtung Zukunft. So ist das Institut für Rechtsmedizin der Charité im vergangenen Jahr mit den Abteilungen für Forensische Pathologie und Forensische Toxikologie auf das ehemalige Gelände des Krankenhauses Moabit gezogen. Es befindet sich nun in direkter Nachbarschaft zum Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin. Durch die räumliche Zusammenführung ergeben sich neue Synergien. Das betrifft nicht nur die gemeinsame Nutzung des Computertomografen, sondern auch die effektive Vernetzung von rechtsmedizinischer Forschung, Lehre und Praxis. Gut integriert in diese Zusammenarbeit ist mittlerweile auch die Abteilung für Forensische Genetik. Seit dem vergangenen Jahr ist sie im Virchow-Klinikum beherbergt. Das ermöglicht eine effektivere Einbindung in die Diagnostik und Forschung auch bei lebenden Patienten.

Nur eine gut funktionierende Rechtsmedizin auf höchstem wissenschaftlichen Niveau kann in einem Rechtsstaat auch Rechtssicherheit garantieren. Voraussetzung dafür sind spezialisierte Naturwissenschaftler und Laborbereiche, die über die neuesten Analysemethoden verfügen. Mancherorts wird die Rechtsmedizin zu Tode gespart, indem Institute aus Kostengründen geschlossen und freie Stellen nicht wiederbesetzt werden. In Berlin ist die Situation nicht ganz so dramatisch, auch wenn in einigen Bereichen noch Optimierungsbedarf besteht, was die technische Ausstattung und den Personalbedarf anbelangt. Grundsätzlich erfährt die Rechtsmedizin hier jedoch große Unterstützung aus der Politik: Die Erkenntnis, dass die Aufklärung des Todes wichtig ist für die Lebenden, für die Gesellschaft, hat sich in Berlin mittlerweile ressort- und parteiübergreifend durchgesetzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar