Gesundheit : Professoren als Jäger und Sammler

Die Junge Akademie zu Berufungsverfahren

Tilmann Warnecke

Die besten Kollegen auf freie Professorenstellen zu berufen – dafür sind die Anreize für Wissenschaftler an den Unis gering. Statt des profiliertesten Forschers wird oft der schwache Kompromisskandidat gekürt. Das sagt die Junge Akademie, die Nachwuchsorganisation der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, und fordert: Um die Qualität von Berufungsverfahren zu verbessern, müssen die Rahmenbedingungen an den Unis so geändert werden, dass alle Professoren von einem neuen starken Kollegen profitieren.

Ein Beispiel: die Gelder, die die Unis zusätzlich an forschungsstarke Professoren vergeben. „Zugespitzt gesagt, denken Professoren oft so: Habe ich einen schwachen Kollegen neben mir, bekomme ich alles. Ist er stärker als ich, bekommt er alles“, sagt Christian Fleischhack vom Leipziger Max-Planck-Institut für Mathematik. Ginge das Geld dagegen an den ganzen Fachbereich, profitierten alle vom Erfolg des Kollegen. Aus dem gleichen Grund fordert die Junge Akademie die Vollkostenfinanzierung von Forschungsprojekten. Dabei wird die für das Projekt nötige Infrastruktur mitbezahlt. So könne sich die Idee der „Beutegemeinschaft“ bei den Professoren durchsetzen: Je mehr gute Jäger an einem Institut den zu verteilenden Geldern nachsetzen, desto besser ausgestattet ist das Institut. Wie man das Geld verteilt, ohne dass sich der starke Professor benachteiligt fühlt, kann die Junge Akademie noch nicht sagen.

Vor kurzem forderte auch der Wissenschaftsrat die Reform der Berufungsverfahren: Unis sollten allein über neue Professoren entscheiden. Bisher haben die Wissenschaftsminister das letzte Wort. Verfahrensfragen seien später zu klären, sagt Fleischhack. Erst müsse ein „Mentalitätswechsel“ stattfinden. Bis 2014 scheidet die Hälfte der 33000 Professoren aus dem Amt aus.

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