Prostatakrebs : Abwarten oft kein Nachteil

Es klingt zunächst widersinnig, aber könnte eine sinnvolle Empfehlung sein: Wissenschaftler der Harvard-Universität fanden heraus, dass für manche Prostatakrebs-Patienten Warten mehr bringt als Bestrahlung.

Auf den ersten Blick erscheint es widersinnig, trotz der Diagnose „Krebs“ nichts zu unternehmen. Keine Operation, keine Bestrahlung, keine Chemotherapie. Nur regelmäßige Kontrollen. Aber genau das könnte eine sinnvolle Empfehlung sein, folgt man einer Prostatakrebs-Studie von Forschern der Harvard-Universität in Boston. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass ältere Männer oder Männer mit kleinem Prostatakrebs von geringer Gefährlichkeit keinen statistischen Überlebensnachteil haben, wenn sie sich nicht sofort behandeln lassen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Männer, bei denen ein Niedrigrisiko-Tumor festgestellt wurde und die sich deshalb nicht behandeln ließen, damit nach durchschnittlich acht Jahren noch immer keine Probleme hatten“, sagt Martin Sanda, einer der Autoren der Studie, die im Fachblatt „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht wurde. Häufige Schwierigkeiten nach der Therapie von Prostatakrebs sind Inkontinenz und Impotenz.

Als wenig gefährlich gilt Prostatakrebs, wenn der Tumor klein ist und langsam wächst („Haustierkrebs“). Dagegen ist die Behandlung potenziell lebensrettend, wenn der Tumor größer ist und rasch wuchert („Raubtierkrebs“) oder wenn es sich um eine Zwischenform handelt. Bis heute ist das Problem des „Haustierkrebs“ nicht befriedigend gelöst, gibt es keine eindeutige Behandlungsoption.
Das ist umso bedenklicher, als durch den vor rund 20 Jahren eingeführten Früherkennungstest für Prostatakrebs (PSA-Test) inzwischen bei vielen Männern Hinweise auf „Haustierkrebs“ gefunden werden. Allein den USA wurden in den letzten 23 Jahren durch den PSA-Test mehr als eine Million Männer mit der Diagnose Prostatakrebs zusätzlich konfrontiert und häufig behandelt. Die meisten wurden vermutlich „überdiagnostiziert“, schreiben Forscher in der Online-Ausgabe des Fachblatts „Journal of the National Cancer Institute“. (wez)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben