Gesundheit : Protest beim Nachwuchs: "Juniorprofs als Packesel"

Anja Kühne

Der organisierte wissenschaftliche Nachwuchs will die Juniorprofessur - aber nicht so, wie sie bislang geplant ist. In einer gemeinsamen Erklärung fordern die jungen Forscher das Bildungsministerium auf, "vor der Verabschiedung des Gesetzes die notwendigen Korrekturen vorzunehmen". Zu den Unterzeichnern der Erklärung, die sich am Wochenende in der Humboldt-Universität trafen, gehören das Doktorandennetzwerk "Thesis", die "Promovierendeninitiative - PI", das Netzwerk "wissenschaftlichernachwuchs.de" sowie die "Bundesvertretung Akademischer Mittelbau - BAM".

Die Nachwuchswissenschaftler meinen, dass der Gesetzentwurf den Ländern und Universitäten zu große Spielräume lässt - die Lage werde sich nach der Reform für junge Wissenschaftler womöglich noch verschlechtern. "Es kann nicht sein, dass Juniorprofessoren sechs bis acht Semesterwochenstunden unterrichten müssen", sagte Harald Völker von "Thesis". "Jeder, der mal Drittmittel eingeworben hat, weiß, was der Antragsmarathon bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft bedeutet." Die Doktoranden und Habilitanden wünschen sich deshalb eine Begrenzung der Semesterwochenstunden im Gesetzentwurf.

Auch will der Nachwuchs, dass das Gesetz nach Fächern begrenzt, wie viele Drittmittel die Juniorprofessoren einwerben müssen. Bekanntlich sind Mediziner und Naturwissenschaftler am erfolgreichsten, die Geisteswissenschaftler fallen bei der Einwerbung von Drittmitteln weit zurück. "Der Juniorprofessor soll nicht zum Packesel der Fakultäten werden", sagte Thomas Mergel von der Initiative "wissenschaftlicher Nachwuchs.de", die bereits 4000 Unterschriften gegen die bisherige Fassung des Gesetzes an den Hochschulen gesammelt hat. Man dürfe den alten Fehler, den Nachwuchs mit Arbeiten zu belasten, die mit der wissenschaftlichen Qualifikation nichts zu tun haben - wie die Bestellung von Büchern oder die Organisation von Austauschprogrammen - nicht wiederholen. Schließlich sei dies der Grund für die langen Qualifikationszeiten. Nach Auffassung von "Thesis" müssen den Juniorprofessoren auch Forschungssemester zustehen, in denen sie frei von Lehrverpflichtungen sind. Die Unterzeichner werfen der Bildungsministerin vor, den Nachwuchs bisher nicht ausreichend gehört zu haben.

Zum Thema Online Spezial: Uni-Start In das Horn des Nachwuchses stoßen auch der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft "ver.di" sowie die Bundeskonferenz der Frauenbeauftragten. Für letztere forderte Marianne Kriszio, 40 Prozent der Juniorprofessuren müssten mit Frauen besetzt werden, damit in zehn Jahren auf 20 Prozent aller Lehrstühle Professorinnen sitzen können.

Weitere Nachbesserungswünsche der Forscher: Die Unis sollen den Juniorprofessuren größere Sicherheiten und bessere Chancen auf eine Lebenszeitstelle bieten, etwa nach dem Vorbild des amerikanischen tenure track (siehe Beitrag oben). Und nicht zuletzt sollen diejenigen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in den letzten Jahren nach dem alten Verfahren qualifiziert haben, "nicht gezwungen werden, das Wissenschaftssystem zu verlassen". Der Gesetzentwurf aus dem Hause Bulmahn verlangt, dass die Qualifikation für eine Lebenszeitprofessur in jedem Fall nach zwölf Jahren der Beschäftigung auf befristeten Stellen abgeschlossen sein muss. Der Nachwuchs vermisst Anschlussstellen, auf denen er einen Ruf auf eine Professur abwarten kann. Mergel schlug ein neues "Fiebiger-Programm" vor - die vorgezogene Besetzung von Professorenstellen mit jungen Wissenschaftlern in der Erwartung, dass die bisherigen Stelleninhaber bald in den Ruhestand treten. Nur so könne man gute Forscher weiter an der Uni zu halten: "Die Besten gehen sonst in die USA."

Die Forderung der CDU/CSU, für die Qualifikation auf eine Lebenszeitprofessur auch die Habilitation zu erhalten, bezeichnen die Unterzeichner als einen "Nebenkriegsschauplatz". Sie kündigten an, sich für eine akzeptable Umsetzung der Reform in den Bundesländern engagieren zu wollen.

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