Gesundheit : Radarkontrolle für Feuerstürme

Neues Verfahren soll Leben retten

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Große Feuer wie jetzt die Waldbrände produzieren ihr eigenes Klima: Die aufsteigende Heißluft saugt seitlich vom Erdboden her aus der Umgebung Kaltluft an, das Gemisch verwirbelt, ein Teil davon fließt dann als Bö unberechenbar davon. Bisweilen können sich daraus auch örtliche Wirbelstürme bilden, die die Flammen ihrerseits in eine ganz andere Richtung wehen. Das aber ist gefährlich für Feuerwehrleute: 1994 wurden bei einem Brand am Storm King Mountain in WestColorado 14 Feuerwehrleute getötet, als sich der Wind ganz plötzlich drehte. Die Feuerwalze lief mit einer Geschwindigkeit von mehr als zwei Metern pro Sekunde in die entgegengesetzte Richtung.

Die Einsatzleitung der Brandbekämpfer wird zwar mit meteorologischen Daten der Region ausgestattet, sie kennt also die Hauptwindrichtung und -geschwindigkeit. Aber das reicht eben nicht.

Wissenschaftler des amerikanischen Zentrums für Atmosphärenforschung (Ucar) haben daher jetzt ein mobiles Radarsystem zur Erfassung der lokalen Daten entwickelt und es gerade bei einem Waldbrand am Glacier Nationalpark in Montana eingesetzt. Wie es in einem Bericht der Ucar heißt, werde daran gedacht, die Technik bei solchen Feuern zum Überwachungsstandard zu machen. Die Radargeräte am Ort liefern ihre Daten dann per Funk zu Computerzentren, wo sie in Rechenmodelle einfließen. Aus den Berechnungen lassen sich anschließend Konsequenzen für die Einsatzplanung ziehen.

Die Technik selbst ist schon lange bekannt, sie musste nur für diese Zwecke angepasst werden. Es geht um das Doppler-Radar. Damit ist eigentlich jeder in Berührung gekommen, sofern er mal etwas schneller fährt als erlaubt und von der Polizei erwischt wurde. Das Messverfahren macht sich den Doppler-Effekt zueigen, der auch in der Astronomie eine große Rolle spielt: Wenn sich strahlende Körper von einem Beobachter entfernen, dann werden die von jenem Objekt ausgesandten Strahlen gleichsam gedehnt. Fliegt der Körper aber auf den Betrachter zu, dann werden sie „gestaucht“. Im ersten Fall sinken die vom Messgerät eingefangenen Frequenzen (Rotverschiebung), im zweiten erhöhen sie sich (Blauverschiebung).

Das gilt für alle Wellen, etwa auch fürs Martinshorn eines Feuerwehrwagens. Rast der auf den Passanten zu, ist der Klang des Horns hell. Entfernt er sich, klingen die Töne tiefer. Geht es um die Messung von Körpern, die keine eigenen Wellen aussenden, muss das Radar nachhelfen. Es strahlt die Objekte an und lauscht auf die Reflexionen. Das kann ein Auto sein, aber auch eine Luftmasse. gih

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