Gesundheit : Rares Gut Lehrstelle

Bulmahn wirbt im Osten um Ausbildungsstellen / Jeder dritte Jugendliche lebt in Ostdeutschland

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Von Bärbel Schubert

„Das ist meine allererste Schlossführung." Cornelia Mehlis ist Auszubildende im mecklenburgischen Radisson-Hotel Fleesensee. Für einen Abend hat sie zusammen mit den anderen Auszubildenden die Führung des Hotels übernommen. Aufregung, rote Wangen, viel Engagement. Und das Ergebnis ist überzeugend, alles läuft wie am Schnürchen. „Die jungen Leute machen das gut, man muss sie nur lassen“, freut sich Karl Förster, der das Hotel sonst leitet.

Wer hier eine Ausbildungsstelle gefunden hat, kann sich freuen. Die Arbeitsbedingungen im Gaststättengewerbe sind zwar hart, doch wer die Ausbildung erfolgreich beendet, hat beste Chancen für eine Anstellung – auch im Ausland. Der Andrang in der industrieschwachen Region eineinhalb Autostunden nördlich von Berlin ist entsprechend groß: Fünf Jugendliche bewerben sich auf jede freie Lehrstelle des Hotels.

Und das ist keine Ausnahme; denn in Deutschland sind die Lehrstellen in diesem Jahr so knapp wie lange nicht mehr. Rund sechs Prozent weniger Ausbildungsplätze bieten die Betriebe den Jugendlichen bundesweit an. Nicht einmal jeder zweite Betrieb in Deutschland bildet aus. Besonders schwierig ist die Situation in Ostdeutschland: Dort sind noch fast 60 000 Bewerber auf der Suche, 9000 allein in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei hat das Ausbildungsjahr in vielen Regionen schon begonnen.

Zehn bis 20 Bewerbungen hätten sie geschrieben, bis endlich eine Zusage kam, berichten Jugendliche in Stralsund und Greifswald. 2000 Bewerbungen kämen in seinem Betrieb auf eine Lehrstelle, berichtet ein junger Elektromechaniker in Greifswald. „Aber wir hier haben alle ziemlich gute Noten.“ Der erweiterte Realschulabschluss wird für diesen Elektroberuf verlangt. Abitur brauchten diese Jugendlichen nicht.

Aber das ist inzwischen die Ausnahme. „Die meisten Firmen nehmen Abiturienten, die dann beim Studium fehlen“, berichtet die Apothekerin Ruth Hildebrandt-Lowack aus Stralsund. Die Folge ist schon heute ein akuter Akademikermangel. In dieser Region mit rund 20 Prozent Arbeitslosigkeit blieben beispielsweise 50 Stellen für Apotheker offen. Auf der anderen Seite „fallen die Hauptschüler unten durch“. Für sie bleibt oft nur eine staatlich finanzierte Ausbildungsstelle.

Doch das muss keineswegs eine Notlösung sein. „Wenn ich mich später bewerbe, kann ich Ausbildungsstationen in 15 Hotels vorweisen statt in einem – außerdem war ich im Ausland“, meint Katrin Haupt selbstbewusst. Sie wird im IHK-Ausbildungszentrum zur Hotelkauffrau ausgebildet. Ihr Kollege mit betrieblicher Lehrstelle will das so nicht stehen lassen. Doch auch er profitiert mit einer Ausbildungsstation im französischen Disneyland von den überbetrieblichen Konzepten.

Unter dem Dauerdruck fehlender Arbeits- und Lehrstellen sind in Ostdeutschland teilweise hervorragende Ausbildungszentren entstanden. Erfolge erzielen sie besonders mit der überbetrieblichen Ausbildung: Firmen, denen für bestimmte vorgeschriebene Ausbildungsabschnitte Know-How, Personal oder Maschinen fehlen, schicken ihre Jugendlichen für diese Teile ins Zentrum. Diese Einrichtungen werden außerdem für die dringend benötigte Weiterbildung genutzt.

In Waren ist so eine Einrichtung entstanden. Mit wenig aktuellen Berufen wie Schneider, die noch immer in vielen westdeutschen Bildungszentren geschult werden, belastet man sich gar nicht. Mediengestalter und Drucker gehören zu den Schwerpunktangeboten. Die Ausrichtung am Bedarf der örtlichen Betriebe gehört für Geschäftsführer Manfred Möller unbedingt zum Konzept.

Auch in der Biotechnologie hat man Großes vor. Greifswald soll für den geplanten Biotechnik-Forschungsverbund der Ostsee-Anrainer in den baltischen Staaten auch die Laborkräfte ausbilden – quasi auf Vorrat, wie der Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Akademiepräsident Horst Klinkmann einfordert. Ein Engpass wie in der Informationstechnik soll in dieser Wachstumsbranche gar nicht erst entstehen. 63 Universitäten und 870 Firmen werden an dem neuen Baltic-Verbund beteiligt sein. Mit 700 Arbeitsplätzen rechnet man in der Region.

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