Gesundheit : Rat für angehende Professorinnen Berlin: Mentoren helfen bei der Karriere

Bettina Bödeker

Wie verläuft ein Berufungsverfahren? Wie bereite ich meinen Vortrag vor? Wie treibe ich effektiv Drittmittel ein? Mit diesen Fragen werden Anwärter auf eine Hochschulprofessur konfrontiert und sind damit oft überfordert. Besonders der weibliche Nachwuchs bleibt in der männerdominierten Hochschullandschaft häufig auf der Strecke. Professorinnen sind in Deutschland noch immer eine Ausnahme. Um das zu ändern, bieten die Technische Universität Berlin, die Humboldt-Universität und die Freie Universität Berlin seit einem Jahr das hochschulübergreifende Mentorenprogramm „Profil“ an. Ziel ist es, Akademikerinnen auf dem Weg zur Professur zu fördern und auf künftige Führungs- und Managementaufgaben in der Wissenschaft vorzubereiten. Trotz knapper Kassen unterstützen die drei Universitäten das Projekt mit rund 84 000 Euro.

Sabine Klapp ist Absolventin des ersten Jahrgangs. Die promovierte Chemikerin arbeitet als Nachwuchsgruppenleiterin an der Technischen Universität. „Irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich dringend Beratung für meine Berufsplanung brauchte“, erklärt sie rückblickend. In Jürgen Mlynek, immerhin Präsident der Humboldt-Uni, fand Klapp einen Mentor, der ihr ein Jahr lang zur Seite stand. In vielen Gesprächen ging es um die persönliche Standortbestimmung, über Strategien und Perspektiven ihrer wissenschaftlichen Karriere. Aber auch ganz praktische Fragen, wie die Platzierung von Publikationen oder die richtige Bewerbung wurden diskutiert. Mlynek unterstützt die Arbeit von „Profil“, schließlich habe er selbst stark von Mentoren profitiert.

Begleitend zum individuellen Coaching bieten Gastdozenten aus Politik, Wirtschaft und Forschung in regelmäßigen Seminaren Blicke hinter die Kulissen des komplexen Hochschul- und Wissenschaftssystems. Mentorin Gisela Klann-Delius, Linguistik-Professorin an der Freien Universität, sieht darin den richtigen Weg. „Professoren müssen zunehmend Managementaufgaben übernehmen. Wissenschaftliches Fachwissen allein reicht heute nicht mehr aus, um einen Lehrstuhl gut zu führen.“ Und so absolvieren die Teilnehmerinnen auch Trainingseinheiten zu Kommunikation, Führungsstil und Konfliktmanagement. Offenbar erfolgreich: Von den 35 Mentees haben drei noch vor Ablauf des Jahres einen Ruf an Hochschulen bekommen, etwa die Hälfte steckt in Berufungsverfahren. Für 2006 können sich Wissenschaftlerinnen ab August dieses Jahres bewerben.

Informationen im Internet unter:

www.profil-programm.de

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