Gesundheit : Rau will neue Bildungsoffensive

Bärbel Schubert

Die Erwartungen an die bildungspolitische Grundsatzrede von Bundespräsident Johannes Rau waren groß. Das schlechte Abschneiden deutscher Schüler beim internationalen Schulleistungstest Pisa hatte die Öffentlichkeit alarmiert. Viele Eltern befürchten, dass ihre Kinder in der Schule nicht mehr genug lernen. Nun erwarten besonders Eltern und Lehrer Antworten der Politik, wie es mit der Bildung weitergehen soll.

Im "Forum Bildung" hatten Bildungspolitiker aus Bund und Ländern zusammen mit Experten dafür Empfehlungen entwickelt, die am Donnerstag bei der Abschlussveranstaltung des Forums in Berlin vorgestellt wurden.

Der Bundespräsident forderte in seiner Grundsatzrede auf der Veranstaltung eine neue Bildungsreform. Bildung sei offenbar seit Jahrzehnten vernachlässigt worden. "Das Ziel scheint mir heute das gleiche zu sein wie in den 60er Jahren: bessere Teilhabe aller an Bildung", sagte der Präsident, ohne sich an der inzwischen verbreiteten Verteufelung dieser Zeit zu stören. Dieses Ziel als alten Hut abzutun, sei nur ein Fehlurteil. Anders als damals dürfe man aber nicht erneut in Organisationsdebatten stecken bleiben.

"Bildung muss angesichts der erkennbaren großen Herausforderungen wieder auf die Tagesordnung, und zwar ganz oben", meinte Rau weiter. Besonders bei denen, die "entscheiden und handeln". Für die nötigen Reformen werde auch mehr Geld gebraucht, besonders für Kindergärten und Grundschulen. "Andere Staaten wenden 60 bis 90 Prozent mehr Geld für jedes Kind an Grundschulen auf als wir in Deutschland", gab Rau zu bedenken. So wichtig Hochschulen seien, die Fundamente für eine gute Bildung würden in Kindergarten und Grundschule gelegt. Auch die Integration ausländischer Kinder könne hier am wirksamsten gefördert werden. Der Präsident erinnerte auch an den Forums-Vorschlag, Kindertageseinrichtungen für die Eltern kostenlos anzubieten.

Mehr Abiturienten und Studenten

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat sich auf derselben Veranstaltung für den weiteren Ausbau von Schulen und Hochschulen ausgesprochen. Die Bundesrepublik brauche in den nächsten Jahren mehr Abiturienten und Studenten. Spitzen- und Breitenförderung, Qualität und Quantität in der Schule seien keine Gegensätze. Länder wie Finnland, Kanada, Australien und Japan machten mit ihren Schulen vor, dass man sowohl Spitzenleistungen erzielen als auch möglichst viele Kinder aller gesellschaftlichen Schichten fördern könne.

Bulmahn mahnte wie Rau, die "ideologischen Grabenkämpfe" um die Bildung zu beenden. Im Forum Bildung sei dies möglich gewesen. Auf allen Seiten gebe es heute "die Bereitschaft zur konstruktiven Zusammenarbeit" und für eine "wirkliche Reform".

Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner (SPD) sagte, die Reform der deutschen Schulen habe in der Verantwortung der Länder nicht erst mit "Pisa" begonnen. Der Test beschreibe trotz seiner für Deutschland negativen Ergebnisse "nur Teilbefunde" und böte "keinen Anlass für Hysterie". "Pisa" biete auch keinen Anlass, über mehr Bildungszentralismus nachzudenken. Er warnte aber davor, den ab 2005 erwarteten Schülerrückgang für falsche Einsparungen bei der Bildung zu missbrauchen. "Wer konkurrenzfähig bleiben will, muss stetig investieren."

Auch Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) hob die große Übereinstimmung zwischen Bund und Ländern hervor. Deutschland müsse seine "Humanressourcen" besser ausnutzen. "Wir müssen Schulen wie Hochschulen auffordern, ihr Denken zu überdenken", sagte Zehetmair mit Blick auf die hohen Abbruchquoten. Bereits im Gymnasium werde das fachliche Wissen heute schon überbetont. Dabei komme der Erziehungs- und Bildungsauftrag zu kurz. Dies gelte auch für die Hochschulen. Um mehr junge Menschen mit einem Hochschulabschluss zu qualifizieren, denkt Zehetmair vorrangig an die Ausweitung des Fachhochschul-Studiums mit integrierter Lehre.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben