Gesundheit : Rauchfreie Zone (1): Letzte Züge

Stephan Wiehler

Ich habe aufgehört zu rauchen. Seit dem 23. Dezember schon drei Mal. Das erste Mal im Raucherabteil des Interregios von Berlin nach Norddeich Mole, als mir meine Zugbekanntschaft in allen Einzelheiten den Lungenkrebstod ihres vor wenigen Wochen verstorbenen Vaters schilderte. Angewidert drückte ich die Zigarette aus und beschloss, sofort aufzuhören statt wie geplant zum Jahreswechsel. Doch der Krebstod fremder Leute schreckt die wenigsten Nikotin-Süchtigen auf Dauer ab. Selbst auf onkologischen Stationen gibt es Raucherecken für Patienten. Beim ersten Bier am Abend zündete ich mir wieder eine an.

Die zweite letzte Zigarette drückte ich in der Nacht zum zweiten Weihnachtstag aus. Ich schaffte sechs rauchfreie Tage, so viele wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Damals hatte ich mich mit Nikotinpflastern beklebt und zweieinhalb Monate durchgehalten. Diesmal ging es ohne Pflaster, und abgesehen von den regelmäßigen Entzugsschüben von fünf Minuten und zwei Nächten, in denen ich mehrmals schweißgebadet wach wurde, verlief die harte Phase eigentlich ziemlich harmlos. Es gibt ein Leben ohne Tabak. Ich ging als freier Mann durch die kalte Winterluft, und Typen, die in U-Bahnhöfen pafften, begannen mir schon zu stinken. Bis zur Silvesternacht. Es begann mit einem Zigarillo nach dem kalten Bufett - nicht inhaliert! Als ich den Rauch der ersten Zigarette einsog, war das neue Jahr fünf Stunden alt.

Pah, werden Sie sagen: Das schafft der doch nie! Aber ich habe seit Neujahr keine Zigarette mehr angerührt, das sind mehr als 160 Stunden ohne Kippe. Aus dem Gröbsten bin ich raus. Und Ihre Zweifel bestärken nur meinen Ehrgeiz.

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