Gesundheit : Rauchfreie Zone (3): Verqualmte Träume Der 21. Tag ohne Nikotin

Stephan Wiehler

Ich hatte einen bösen Traum: Ich saß mit Freunden am Tisch meiner Stammkneipe. Ich unterhielt mich prächtig bei einem Glas Bier - und ich rauchte wie üblich eine Zigarette dazu. Geschockt starrte ich auf meine Finger: Oh Gott, eine brennende Zigarette! In meiner Hand! Rauch quillt aus meinem Mund! Ich habe doch aufgehört!

Mein Schrei riss mich aus dem Schlaf. Schweißgebadet schleppte ich mich ins Bad, sah mein graues Gesicht im Spiegel, vom Horror verzerrt. Ich versuchte, mich zu beruhigen: Es war nur ein Traum. Aber ich werde das Gefühl nicht los, rückfällig geworden zu sein. Solange ich wach bin, lässt mich Tabak kalt - glaube ich jedenfalls. Doch die Sucht schleicht sich in meinen Schlaf, und mir ist klar geworden: Ich kämpfe nicht gegen eine krankhafte Gewohnheit, sondern gegen einen Mythos, einen bösen Geist. Das Nikotin-Monster hat mich noch immer im Griff.

Ich habe meinem Freund Till von diesem Albtraum erzählt. Reden hilft. Er ist seit zweieinhalb Jahren Nichtraucher, und er hat einen Sinn fürs Esoterische. Meine Geschichte erinnert ihn an eine spirituelle Frage, die buddhistische Scholastiker immer wieder diskutiert haben: Können wir einem Heiligen göttliche Größe zuschreiben, der während des Schlafens noch Samenergüsse hat? Manche unter den Gelehrten waren der Ansicht, solche feuchten Träume seien dem Einfluss dämonischer Gottheiten zuzuschreiben, die ihnen im Geiste erschienen.

Wenn das zutrifft, bin ich noch meilenweit von der Erhabenheit des Nichtrauchers entfernt. Der Tabakteufel verqualmt meine Träume.

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