Gesundheit : Rauchzeichen

Cannabis ist alles andere als harmlos, warnt die britische Lungenstiftung

Hartmut Wewetzer

Eigentlich gilt Cannabis als „sanfte“ Droge. Der Marihuana-Raucher ist ein friedfertiger Zeitgenosse, der sich gelegentlich einen Joint gönnt und ab und zu dafür demonstriert, den Hanf-Konsum endlich zu legalisieren. Die Ampeln stehen dafür zumindest auf Gelb. Denn Berlin, die Hauptstadt der deutschen Hanf-Bewegung, will künftig den Besitz von 15 Gramm Cannabis erlauben, dem Bund schweben zehn Gramm als Höchstgrenze vor. Aber Cannabis könnte eine unterschätzte Gesundheitsgefahr für die Atemwege sein, warnt die Britische Lungenstiftung.

„Ein rauchendes Gewehr?“ lautet der Titel der jetzt veröffentlichten Studie, in der wichtige Forschungsergebnisse ausgewertet wurden. Danach steht Cannabis dem Tabak an Schädlichkeit kaum nach:

Wer am Tag drei bis vier Marihuana-Zigaretten raucht, setzt sich dem gleichen Bronchitis-Risiko und der gleichen Gefahr für die Atemwegsschleimhäute aus wie ein Raucher, der 20 oder mehr Zigaretten raucht.

Cannabis-Raucher leiden deutlich öfter unter chronischem Husten, Auswurf und Episoden von akuter Bronchitis als Nichtraucher.

Die Dosis des berauschenden Tetrahydrocannabinol (THC) liegt pro Hasch-Zigarette heute bei 150 Milligramm, in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war sie mit zehn Milligramm um ein Vielfaches geringer. Deshalb sind Rückschlüsse über mögliche Langzeitfolgen kaum möglich.

Cannabisrauch wird stärker, tiefer und länger inhaliert als Tabakrauch. Der Körper ist länger den Schadstoffen ausgesetzt.

Wer Marihuana raucht, schädigt vermutlich sein Immunsystem. Abwehrzellen, die die Lunge vor Krankheitserregern oder Krebszellen schützen, werden geschwächt.

Umstritten ist, ob Cannabisrauchen eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung auslösen kann. Dieses Leiden ist eng mit einer chronischen Bronchitis verknüpft und führt zu schweren Schäden wie einer überblähten Lunge (Emphysem).

Ebenfalls nicht endgültig geklärt ist die Frage, ob Marihuana-Konsum zu Lungenkrebs führt. Einige Indizien sprechen allerdings dafür. So enthält der Rauch einer Cannabis-Zigarette viele der vom Tabak bereits bekannten krebserregenden Stoffe (Karzinogene), zum Teil in deutlich höherer Konzentration. Zu diesen Substanzen zählt vor allem Benzpyren, ein Kohlenwasserstoff, der ein wichtiges Antikrebsgen namens p53 in der Zelle ausschalten kann. Defekte p53- Gene finden sich in drei von vier Fällen von Bronchialkrebs. Wer sowohl Cannabis als auch Tabak raucht, riskiert offenbar besonders große Schäden. Und: In den Atemwegen lagert sich bei einem Joint etwa viermal soviel Teer ab wie beim Rauchen einer filterlosen Zigarette.

„Unsere Zahlen dürften viele Leute überraschen“, sagte Mark Britton, Vorsitzender der Stiftung. „Vor allem jene, die sich für das Rauchen von Cannabis anstelle von Tabak entschieden haben, weil es scheinbar sicherer ist.“ Die Lungenstiftung knüpft an ihren Bericht die Empfehlung, Jugendliche besser über die Risiken des Cannabis-Konsums aufzuklären. Außerdem sollten die Folgen des Missbrauchs genau erforscht werden.

In Deutschland soll es rund 750000 regelmäßige Cannabis-Konsumenten geben. Zum guten Image der Droge hierzulande haben viele Medienberichte über das echte oder vermeintliche Heilpotenzial der Pflanze beigetragen. Manche Ärzte setzen THC-Präparate gegen Appetitlosigkeit und Übelkeit bei Aids- oder Krebspatienten ein, Neurologen erproben es bei Muskelkrämpfen (Spastik). Ein Problem dieser Behandlung sind die benebelnden Effekte von Cannabis – eben die, die der Drogenkonsument so sehr schätzt.

Mehr im Internet unter:

www.lunguk.org

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