Gesundheit : Reform der Lehrerbildung: Öffnung für Absolventen mit Diplom - Unterteilung in Module

Uwe Schlicht

Die Schüler müssen wieder stärker an die Grundkompetenzen herangeführt werden. Nicht zuletzt erfordern die Mängel deutscher Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften im internationalen Vergleich diese Neuorientierung. Berlin und Brandenburg planen deswegen eine Aufwertung der Fachdidaktik - also jener Unterrichtswissenschaften, die den Lehrer befähigen, zum Beispiel in den neunten Klassen einen verständlichen methodischen Unterricht in Mathematik und Physik zu bieten.

Diese Ziele sollen jetzt mit einer Reform des Lehrerstudiums im Zeichen von Bachelor und Master verbunden werden. Der Berliner Senat wird voraussichtlich in der kommenden Woche Pläne für eine Neufassung des Lehrerbildungsgesetzes veröffentlichen. Die Lehrerbildung wird in enger Abstimmung mit dem Land Brandenburg reformiert. Das wurde auf einer gemeinsamem Schultagung im Pädagogischen Landesinstitut in Ludwigsfelde von Vertretern beider Schulverwaltungen betont.

Der Abteilungsleiter aus der Berliner Schulverwaltung, Rainer Höttler, stellt sich die Reform so vor: Die Studiengänge für die Lehrerausbildung werden in Abschnitte unterteilt, so genannte Module, für die es Leistungspunkte (credit points) gibt. In welchem Umfang das bisherige Staatsexamen in der Lehrerbildung durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt wird, liess Höttler offen.

Kern der Lehrerbildung ist das Studium zweier Fächer, verbunden mit einem Studium in Pädagogik, Psychologie, Soziologie und Didaktik. Am Ende stehen bisher zwei Staatsexamina und zwischen den beiden Abschlüssen muss ein Referendariat oder der Vorbereitungsdienst abgeleistet werden. Künftig wird die erste mit der zweiten Ausbildungsphase enger verzahnt.

Ein mit der Lehrerbildung vergleichbares Studium haben Diplomingenieure oder Diplommathematiker oder -physiker nicht hinter sich. Aber wegen des extremen Mangels an Berufsschullehrern sollen diese für den Unterricht gewonnen werden. Es geht um die Studienräte an Berufsschulen. Schon das Lehrerbildungsgesetz in der neuesten Fassung vom April 2000 sieht vor, dass das Diplom der ersten Staatsprüfung für die künftigen Studienräte gleichgesetzt werden kann. 20 Diplomabschlüsse sind in dem Lehrerbildungsgesetz bereits aufgezählt.

Erste Erfahrungen mit dem neuen Weg haben gravierende Schwierigkeiten aufgezeigt. Staatssekretär Thomas Härtel aus der Schulverwaltung erkärte gestern vor dem Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses, künftig sollten nur solche Kandidaten mit dem Diplomabschluss in den Vorbereitungsdienst aufgenommen werden, die bereits in ihrem Erststudium nachweisen können, dass sie auch Grundkenntnisse in einem weiteren allgemeinbildenden Fach besitzen. Dann sei auch die Prognose möglich, dass sie den Vorbereitungsdienst erfolgreich abschließen könnten.

Diplomstudiengänge sind auf ein Fach ausgerichtet. Ob die Wunschlehrer mit dem Diplom in der Tasche während des Vorbereitungsdienstes auch noch zusätzliche Studien in Pädagogik, Didaktik und Psychologie absolvieren können, hängt von der Haushaltslage ab. Im übrigen ist zunächst für solche Berufsschullehrer, die das Diplom haben, kein Beamtenstatus, sondern ein Angestelltenverhältnis vorgesehen.

In Berlin soll die Lehrerbildung dadurch neuen Schwung bekommen, dass ein Zentrum zwischen den Universitäten gebildet wird. In der Ausbildung der Berufsschullehrer beabsichtigt Berlin eine Kooperation zwischen der Technischen Universität und den Fachhochschulen auf den Weg zu bringen. Bisher war die Berufsschullehrerausbildung in den technischen Fächern der TU vorbehalten.

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