Gesundheit : Reform des Dienstrechts: Unruhe bei Universitätsprofessoren

Bärbel Schubert

Der Deutsche Hochschulverband befürchtet durch die anstehende Reform des Dienstrechts dauerhaft niedrigere Professorengehälter besonders in Ostdeutschland. "Wir wissen aus einigen ostdeutschen Bundesländern, dass sie nur das abgesenkte Grundgehalt einführen wollen", sagte Hochschulverbands-Präsident Hartmut Schiedermair am Donnerstag in Berlin nach dem turnusmäßigen Verbandstag. "Die Leistungszulagen werden dort nicht kommen."

Am Vortag hatten knapp 4000 Professoren und Nachwuchswissenschaftler die Bundesregierung mit einer vierseitigen FAZ-Anzeige zur Rücknahme ihrer Reformpläne aufgefordert. Diese Aktion ist nach Schiedermairs Worten "Ergebnis erheblicher Unruhe unter den Kollegen". Kern des seit Jahren geforderten Reformvorhabens sind eine leistungsorientierte Professorenbesoldung und frühzeitige Selbstständigkeit für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will im April dazu einen Gesetzentwurf vorlegen. Darin sollen Juniorprofessuren verankert sein. Für die Professoren ist künftig eine Besoldung aus Grundgehalt und Leistungszulagen geplant. Für Hochschullehrer, die schon im Amt sind, soll ein Bestandsschutz gelten, so dass ihre alte Besoldung weiter geführt wird. Bulmahn hatte wiederholt betont, dass jeder Professor künftig mehr verdienen kann. Die neue Struktur sei kein Sparmodell, aber Leistung müsse sich auch für Professoren lohnen. Bulmahn hat für ihre Pläne entschiedene Unterstützung von Nachwuchswissenschaftlern auch aus dem Ausland wie auch von den Nobelpreisträgern Johann Deisenhofer und Herbert Kroemer erhalten. Letzterer kritisiert die Habilitation als "groben Unfug" für "Untertanen auf Zeit".

Einig sind sich Hochschulverband und Bildungsministerium über die Ziele der Reform: Die deutschen Hochschulen sollen international im Wettbewerb um die besten Köpfe wettbewerbsfähig werden und junge Wissenschaftler frühzeitig eigenverantwortlich forschen und lehren. Die geplanten Juniorprofessoren lehnte Schiedermair allerdings als "gescheitertes Modell aus der Mottenkiste" ab. Auch könne er beispielsweise einen promovierten Juristen mit einer Juniorprofessur bei einem Einkommen von 6500 Mark monatlich nicht an der Universität halten. Eine Kanzlei biete ihm als Einstiegsgehalt 140 000 Mark. Der Hochschulverband ist die Berufsvertretung der deutschen Universitätsprofessoren und hat 18 000 Mitglieder.

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