Gesundheit : Reichere Ernten und bessere Pflanzen durch gezielte Veränderung der Pflanzengene

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Heute ist der Hunger ein Verteilungsproblem. Doch die Weltbevölkerung nahm in den letzten Jahrzehnten deutlich stärker zu als die Getreideproduktion. "Macht Grüne Gentechnik die Welt satt?" lautete angesichts dieser Situation das Thema eines Gutachtens, das die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung beim Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn in Auftrag gegeben hatte.

Die Agrarwissenschaftler Matin Qaim und Detlef Virchow, die die Ergebnisse gestern der Presse vorstellten, wollten die plakative Frage zwar keinesfalls mit "Ja" beantworten. "Grüne Gentechnik" allein werde das komplexe Problem des wachsenden Welthungers nicht lösen können. Dennoch zeigten sich die Wissenschaftler optimistisch: "Für die Zukunft stellt die Herstellung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel eine der verheißungsvollsten Techniken dar."

Ihre möglichen Vorteile: Entwicklung von Pflanzen, die gegen Schädlinge resistent sind, Steigerung des Ertragspotentials, aber auch Verbesserung der Qualität von Grundnahrungsmitteln durch erhöhten Anteil an Mikronährstoffen und Vitaminen. Vor allem in der Verbesserung von Menge und Qualität landwirtschaftlicher Produkte sieht Qaim ein Potential für eine "positive Revolutionierung". Für die Diskussion über Risiken der genetischen Veränderung von Pflanzen forderten die Gutachter mehr Sachlichkeit, vor allem aber konkrete Bewertungen des Einzelfalls und Protokolle zur sicheren Handhabung, die sich "mit Augenmaß" zwischen zu großer Strenge und zu großer Laxheit bewegen.

Virchow plädierte in seinen Handlungsempfehlungen an die Politik zudem für Verbesserung der Aufklärung durch Deklarationspflicht und für Partnerschaften zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Grundsätzlich seien Innovationen, bei denen "die Technologie im Saatgut verpackt" ist, für Länder der Dritten Welt gut geeignet. Studien zeigten, dass sie sich innerhalb weniger Jahre auf informellem Weg verbreiten. Damit der Fortschritt den Entwicklungsländern zu Gute komme, müssten aber auch Firmen bereit sein, Technik unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

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