Gesundheit : Rhetorik-Wettbewerb: "Lampenfieber macht sympathisch"

Klagen die Teilnehmer an Ihren Seminaren häuf

Annette Weber-Diehl hat Schauspiel und Sprechwissenschaft studiert und war einige Jahre beim Südwestfunk. Heute arbeitet sie als Sprecherin, Rhetorik- und Sprechtrainerin in Berlin und sitzt auch in der Jury des Tagesspiegel-Wettbewerbs Rhetorik.

Klagen die Teilnehmer an Ihren Seminaren häufig über Lampenfieber?

Einige schon. Sie fühlen sich davon völlig lahmgelegt und haben Blackouts. Andere dagegen haben zwar physiologisch ganz ähnliche Reaktionen - das Herz schlägt schneller, die Atmung beschleunigt sich undsoweiter -, aber sie sagen: Das hilft mir beim Denken, oder: Dadurch komme ich erst richtig in Fahrt.

Wie kann man lernen, Lampenfieber positiv umzusetzen?

Zum Thema Online Spezial:
Der Tagesspiegel-Rhetorikwettbewerb Lampenfieber ist ja eigentlich ein heftiger Bewegungsimpuls wie bei Erschrecken oder Furcht. Wenn möglich, sollte man dem Impuls ruhig nachgeben, zum Beispiel vor einer Rede auf die Toilette gehen und sich dort auszappeln. Für statische Atemübungen sind viele Leute zu aufgeregt. An- und Entspannung der Muskulatur - etwa indem man die Schultern extrem hochzieht und fallen lässt - ist da leichter. Dann vertieft sich die Atmung automatisch.

Auf einem Podium geht das schlecht.

Auch auf der Bühne kann man die Atmung nach unten locken, indem man beispielsweise die Zehen unmerklich ein paar Zentimeter hochzieht und dabei Druck auf die Ferse ausübt. Ein Freund von mir enspannt sich dabei oft so komplett, dass er seinen Einsatz verpasst ...

Gehen Männer anders mit Lampenfieber um als Frauen?

Männer geben Lampenfieber seltener zu. Sie neigen dazu, den Impuls in Aggression umzusetzen, sprechen lauter, sagen Dinge mehrfach, plustern sich auf. Frauen kontrollieren sich oft mehr, sie halten den Atem an und versuchen, das Lampenfieber wegzudrücken. Sie haben stärker das Gefühl, als ganze Person auf dem Prüfstand zu stehen.

Was empfehlen Sie dann den lampenfiebergeplagten Männern, was den Frauen?

Männern hilft vor allem das Gefühl, inhaltlich und mental gut vorbereitet zu sein, Beispiele parat zu haben. Für Frauen ist es zusätzlich wichtig, wenn sie sich ganz praktisch vorbereiten, zum Beispiel den Raum vorher angucken. Oder sich genau überlegen, was sie anziehen wollen. Das ist aber ganz individuell: Eine Teilnehmerin meiner Seminare zum Beispiel ist Kommissarin und spricht oft vor Männergruppen. Sie hatte das Gefühl, dass sie dabei nur ihre männlichen Seiten hervorkehrt und nicht als ganzer Mensch rüberkommt. Irgendwann fing sie an, bei Ansprachen scharfe Dessous anzuziehen, um sich an ihre Weiblichkeit zu erinnern. Seitdem fühlt sie sich sicherer!

Haben Sie Lampenfieber?

Ja, bei jedem Seminar zu Beginn. Aber ich habe gelernt, dass das sogar gut ist. Lampenfieber verschafft einem Sympathien!

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