Gesundheit : Rhythmen des Lebens

Christian Weymayr

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Michail Gorbatschows Ausspruch reicht weiter, als ihm vielleicht bewusst war. Gutes Timing ist nicht nur für Politiker überlebenswichtig: Wie sehr das Leben – vom Bakterium über die Pflanzen bis zum Menschen – seit Jahrmillionen durchdrungen ist von Rhythmen aller Art, erzählt der Wissenschaftsjournalist Peter Spork in seinem neuen Buch „Das Uhrwerk der Natur“. Er gibt Einblicke in die Chronobiologie, die Lehre vom Leben mit der Zeit.

So beschreibt er, wie Forscher auf die Idee kamen, dass Lebewesen innere Uhren besitzen müssen: In gleichförmigem Licht gehaltene Pflanzen öffnen ihre Blüten unbeirrt zur richtigen Zeit und lassen sie einer imaginären Sonne nachwandern. Doch erst Bunkerexperimente, bei denen Menschen Wochen und Monate in selbst gewählter Isolation verbrachten, überzeugten auch Zweifler von der Existenz eigenständiger Taktgeber. Mittlerweile verstehen wir immer besser, wie die Lebewesen ticken. Forscher fanden einige „Zeit“-Gene und Verbindungen zwischen Zellen, Gehirnarealen und Hormonen. Die Bilanz: In Tier und Pflanze tickt es wie in einem Uhrenladen. Jede Zelle und jedes Organ, so scheint es, erzeugen ihren eigenen Takt. Und wie der Uhrmacher seinen Laden täglich auf- und zuschließt, so gehorchen auch die vielen kleinen Takte der Lebewesen meist einem Tag-Nacht-Rhythmus. Auch größere Zyklen gibt es zuhauf: Krabben passen für die Eiablage die zweiwöchentliche Springflut ab, Zugvögel ziehen termingerecht gen Süden und eine Bambusart blüht alle 120 Jahre.

Wer sich für Natur oder Medizin interessiert oder mehr über eine praktische Seite des Phänomens Zeit erfahren möchte, wird bestens bedient – Aha-Erlebnisse im Minutentakt sind garantiert.

Peter Spork: Das Uhrwerk der Natur. Rowohlt Taschenbuch, 224 Seiten, 8 Euro 90.

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